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Für einen guten Start: Caritas hilft in den „wichtigen Jahren“


Datum: 
10.04.2018

Seit zehn Jahren finden Eltern in Passau Hilfe beim Angebot „Die wichtigen Jahre 0-3“ des Caritasverbands in der Diözese Passau. Zum Jubiläum haben Fachleute berichtet, wie wichtig die Arbeit mit den Kleinsten ist.

 

 

Eva, fünf Monate alt, schreit und schreit und schreit. Fünf Stunden am Tag. Nur eine Stunde lang kann sie untertags schlafen. Evas Mama ist 20 Jahre alt, lebt bei der krebskranken Oma. Von Evas Papa ist sie getrennt. Beim Kinderarzt bekam sie einen Flyer und machte den ersten Schritt. Eine typische Geschichte, sagt Josef Krenner, der als Psychologe seit 33 Jahren beim Frühförderungsdienst arbeitet. Sie handelt davon, wie „Schreibabys“ die Eltern an ihre Grenzen bringen. „Die Mütter kommen zerstört zu uns“, sagt er. Doch das muss nicht sein.

Schreibabys gehören zu den Kindern mit Regulationsstörungen. Das kann neben dem exzessiven Schreien heißen, dass sie schlecht schlafen, nicht spielen können oder heftig trotzen. Das stresst die Eltern, sie machen sich oft selbst Vorwürfe und reagieren zum Teil aggressiv – was das Ganze nicht besser macht. Doch Krenner kann ihnen und ihren Eltern schnell helfen. „Nach drei, vier Terminen wird aus dem Teufelskreis ein Engelskreis.“

Unter der Leitung von Psychologe Gerhard Krinninger arbeitet auch die Erzieherin Gisela Hausmann bei „Die wichtigen Jahre 0-3“. Ihr Schwerpunkt ist die entwicklungspsychologische Beratung. „Mit den Eltern sehen wir uns Videos von Situationen an, in denen es gut läuft mit dem Kind“, berichtet sie. „Das bestärkt sie und macht sie feinfühliger.“ Bei den Terminen mit Gisela Hausmann wird immer mindestens eine halbe Stunde gespielt. Ganz frei, ohne, dass sich die Eltern ins Spiel einbringen. Sie sind nur als emotionale Stütze der Kleinen dabei. Oft gibt die Erzieherin den Mamas und Papas kleine Lieder oder Bewegungsspielchen an die Hand – vieles, was heute zum Teil in Vergessenheit geraten sei.

Caritasdirektor Michael Endres dankte seinen Fachleuten für ihre wichtige Aufgabe. Bei der Förderung gelte „je früher, desto erfolgreicher“ – so müssen aus Kindern mit Schwierigkeiten keine „Sorgenkinder“ werden. Es gehe bei dem Angebot „Die wichtigen Jahre 0-3“ aber nicht nur um die Kleinkinder, sondern auch darum, die Eltern zu unterstützen. Auf ihnen laste in unserer Gesellschaft viel Druck. Bei allem richtigen und wichtigen Bestreben nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf dürfe nicht vergessen, dass Kinder vor allem eines brauchen: Zeit – besonders in den so wichtigen ersten Jahren.

"Die wichtigen Jahre 0-3" ist als Projekt in Bayern einzigartig. Es wird zu 90 Prozent von Stadt und Landkreis Passau und zu 10 Prozent vom Caritasverband getragen. Alle Infos zum Beratungsangebot des Caritas-Frühförderungsdienstes gibt es hier.