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Wenn Herbergssuche ganz konkret wird


Datum: 
25.08.2017

Pfarrcaritas Straßkirchen schafft WG für junge Flüchtlinge und damit Heimat

 

 

 

Es war wirklich ein besonderes Christkind’l, wenn man das überhaupt so sagen darf, das Manuela Kilian da an Weihnachten 2015 zugeflogen ist. Es waren nämlich Flüchtlinge aus Syrien. Herbergssuche ganz konkret. Den Heiligen Abend hatte Manuela Kilian aus Straßkirchen bei Passau mit ihrem Mann und den drei Kindern wahrlich anders geplant. Doch am Tag zuvor waren 70 und über Nacht insgesamt 200 Flüchtlinge in einen leerstehenden Supermarkt am Ortsrand gekommen und damit in das Leben der stellvertretenden Vorsitzenden der Pfarrcaritas. Mit der Flüchtlingswelle kam genauso groß die Hilfswelle. Mit vielen anderen Frauen und Männern aus Straßkirchen und Salzweg hat sie zugepackt und für das Nötigste an Essen, Kleidung und Unterkommen gesorgt.

Das Straßkirchener Team der Pfarrcaritas hielt Kontakt zum Helferkreis Salzweg rund um Christian Domes. Erst jüngst hat die Deutsche Bischofskonferenz die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer rund um die Gemeinschaftsunterkunft „Salzweger Hof“ für ihre lebendige Willkommenskultur und das ganze Spektrum an Flüchtlingshilfe mit dem zweiten Platz beim Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgezeichnet.

Als das Straßkirchener Notquartier im April wieder geschlossen wurde, blieben einige Flüchtlinge in der Region. Manuela Kilian hat für 30 bis 40 Personen im Großraum Passau Wohnungen organisiert. „Extrem schwierig“ sagt sie, „es gibt einfach Vorbehalte“. Dabei wäre die Miete über die Jobcenter absolut sicher geregelt. Natürlich auch Angst vor Fremden. Dazu ist Wohnraum generell knapp. „Manuela, kannst Du helfen?“, hört die staatlich geprüfte Bautechnikerin bis heute oft. Sie hält zu den meisten noch immer Kontakt.

 


In der Straßkirchener Flüchtlings-WG gibt es viel zu besprechen. Manuela Kilian, Kathrin Laubereau und Valerie Kranixfeld vom Helferteam (v.li.) klären, wer zur Ausbildungsmesse geht und sich über die berufliche Zukunft informiert.
 

Zusammen Heimat schaffen

In Straßkirchen, mitten im Ort, hat die Pfarrcaritas ein Haus angemietet. Mustafa, Mohammad, Abud und Abdul Hadi leben derzeit in der Männer-WG. Die jungen Flüchtlinge aus Syrien im Alter von 23 bis 25 Jahren teilen sich vier Zimmer. Zunächst waren die Zimmer mit acht bis zehn Personen belegt. „Doch das war auf Dauer zu wenig Privatsphäre, in Einzelzimmern lebt es sich wirklich besser“, sagt die Architektin. Damit auch stressfreier. Bei Verwandten funktioniert auch mal die Doppelbelegung. Gerade überlegen die Vier mit dem Team, für eine fünfte Person Heimat zu schaffen.

Die Jungs, ja das darf man so sagen, sind ihr ans Herz gewachsen. Umgekehrt haben die syrischen Männer sie wie eine Schwester akzeptiert. Schaut sie doch fast täglich bei ihnen vorbei. Und wenn nicht, funktionieren WhatsApp-Nachrichten inzwischen auch in Deutsch. Manuela Kilian ist beeindruckt, welche Deutschkenntnisse die jungen Männer inzwischen haben. Die angebotenen Kurse waren erfolgreich. Zum Team, das regelmäßig das Wohnprojekt begleitet, gehören Valerie Kranixfeld, Kathrin Laubereau und Monika Flattau. Auch sie wissen, wie wichtig es für die jungen Leute wäre, zu arbeiten, raus zu kommen. Damit beginnt Integration, Familie und Arbeit, Gemeinschaft und Geborgenheit. Ein ganz normales Leben halt. Die Jungs aus Damaskus, Aleppo und Latakia haben wahrlich keine Sonderwünsche. Soziales Leben, kulturelles Leben auch religiöses Leben. Das brauchen sie nach Jahren des Krieges, nach einem halben Jahr Flucht und eineinhalb Jahren Warten.

Der Umgang mit den Behörden hat sich inzwischen eingespielt. Manuela Kilian ist vielfach auch Beraterin in Sachen Umgang etwa zwischen Frauen und Männern oder in der Familie. „Da prallen natürlich oft Welten aufeinander“, weiß die 37jährige. Die jungen Männer wollen ein Gespür für die Kultur, das Lebensgefühl, in der neuen Heimat bekommen. Sie wollen wissen, welche Feste hier gefeiert werden, was Glaube und christliches Brauchtum bedeuten. Umgekehrt lernt auch die Straßkirchnerin über den Islam und reflektiert dabei ihren eigenen Glauben. „Mich beeindruckt schon, wie die Gruppe etwa den Fastenmonat Ramadan einhält“.

Was wünscht sie den jungen Männern? „Dass sie gut leben können“. Sie weiß zwar, dass sie nicht alles regeln kann. Sie weiß aber sicher, dass ihr großes Engagement bei den Flüchtlingen mehr als ankommt. „Das bereichert mich“. So sind alle zusammen Heimat, ganz im Sinne der Caritas-Jahreskampagne.

 

>>>>Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Passau e.V., Abteilung Kommunikation