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Zum 75. Geburtstag setzt der Passauer Bischof in Polen ein Zeichen der Versöhnung


Zum 75. Geburtstag setzt der Passauer Bischof in Polen ein Zeichen der Versöhnung

Wilhelm Schraml übergibt Kopie des Altöttinger Gnadenbildes im Wallfahrtsort Pasierbiec – Gratulation der Diözese Passau am Samstag, 3. Juli, im Domhof

 

Passau/Altötting/Pasierbiec (iop). Um seinen 75. Geburtstag macht der Passauer Diözesanbischof Wilhelm Schraml kein großes Aufheben. Ist doch für ihn persönlich dieses Datum nachrangig. Wichtig sind ihm das 25-jährige Bischofsjubiläum und das Goldene Priesterjubiläum im kommenden Jahr. Deshalb hat er sich jetzt eine Wallfahrt vorgenommen und die schon lange vorbereitet. Er wird am Samstag, 26. Juni, in Polen sein und dort zwischen zwei Wallfahrtsorten eine Brücke schlagen. Der Oberhirte will damit auch ein deutliches Zeichen der Versöhnung zwischen den Völkern setzen. Er bringt eine Kopie des Altöttinger Gnadenbildes nach Pasierbiec. „Das ist das erste Mal in der Geschichte von Altötting, dass das Gnadenbild als Kopie im Ausland zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt wird“, sagt der Bischof. Dies sicher ganz im Sinne „des Pontifex Maximus“ also des „Obersten Brückenbauers“, nämlich des Papstes. Benedikt XVI. weiß um diese Pilgerreise des Passauer Bischofs. Der Papst weiß auch um den Einsatz des Oberhirten für die Kirche.

Im Bistum Passau feiert man den Geburtstag des Bischofs eine Woche später, am Samstag, 3. Juli, im Rahmen der Priesterweihe nach. Dies entspricht auch der Spiritualität des Bischofs, dem das Priesteramt und der Priesternachwuchs besonders am Herzen liegen. Das Pontifikalamt, bei dem Diakon Thomas Hochwimmer geweiht wird, beginnt um 9.00 Uhr im Dom. Im Anschluss lädt das Domkapitel zur Begegnung mit dem Bischof in den Domhof. Dort besteht die Möglichkeit zur persönlichen Gratulation.

Pasierbiec, das polnische Heiligtum mit dem 200 Jahre alten Gnadenbild, kennt Bischof Schraml schon länger. „Da ist eine Verbindung zu Altötting gewachsen“, sagt er. Und wohl auch eine ganz persönliche Bindung. Trägt doch das Wappen von Bischof Schraml das Altöttinger Gnadenbild. Zuletzt war er vor wenigen Monaten mit den Priesteramtskandidaten der Diözese in dem polnischen Wallfahrtsort. In die kleine Kirche, in der das Gnadenbild verehrt wird, bringt nun Bischof Schraml die Altöttinger Kopie.

Papst Johannes Paul II. ernannte Wilhelm Schraml 1986 zum Titularbischof von Munaziana und zum Weihbischof in Regensburg. Diözesanbischof Manfred Müller erteilte ihm am 8. März 1986 in der Regensburger Dominikanerkirche die Bischofsweihe. Als Wahlspruch über sein bischöfliches Wirken setzte Wilhelm Schraml: „Jesus Christus als den Herrn verkündigen“ – ein Vers aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Im Jahr 2001 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von Passau und am 23. Februar 2002 wurde Wilhelm Schraml als 84. Oberhirte im Bistum Passau in das Amt eingeführt. Sein Amtsverzicht, den der Bischof nach Kirchenrecht zum 75. Lebensjahr dem Papst angeboten hat, ist von Benedikt XVI. nicht angenommen worden. Im Bistum Passau sieht man dies als Anerkennung des bischöflichen Wirkens von Wilhelm Schraml durch den Heiligen Vater und als ermutigenden Zuspruch.

Die Menschen zu Christus führen: das will er seit seiner Priesterweihe im Jahr 1961, das bestimmt auch sein bischöfliches Wirken. Dieser persönliche Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch seine Predigten, durch seine Hirtenworte. Zu Beginn seines Dienstes als Bischof von Passau hat Wilhelm Schraml das Programm für sein bischöfliches Wirken klar formuliert: Jesus Christus gilt es darum immer neu „kennen zu lernen, zu lieben und nachzuahmen, um in ihm das Leben des dreifaltigen Gottes zu leben und mit ihm der Geschichte eine neue Gestalt zu geben, bis sie sich im himmlischen Jerusalem erfüllt“. Entsprechend begegnet er den Menschen. Er will sie einladen, mit ihm als Bischof Christus nachzufolgen, in Liebe zur Kirche, in Treue zum Glauben und in Einheit mit dem Nachfolger des hl. Petrus.

Wer wie Bischof Schraml das Christusbekenntnis so in den Mittelpunkt stellt, dem geht es zuallererst um die zentrale Begegnung mit Christus in der Eucharistie. Aus der Feier der heiligen Messe schöpft er selber Kraft. Kirche ist für ihn zuerst Gemeinschaft mit Christus, die eben von diesem selbst durch Wort und Eucharistie auferbaut wird. Deshalb ruft er die Gläubigen immer wieder auf, den Sonntag zu heiligen. Und er fördert die eucharistische Anbetung. „Da richten wir uns auf Christus hin aus“, sagte er gerne und immer wieder, „wir machen uns mit unserem ganzen Dasein an ihm fest“. Die Anbetung gebe dem Leben Orientierung und Richtung. „In ihr finden wir Halt und Festigkeit. Wer Christus anbetet, baut das Haus seines Lebens nicht auf dem Flugsand des Zeitgeistes“. So versteht er sich auch als „konservativ“: das heißt, „den Glauben unverfälscht zu bewahren und zu verkünden“. Dieser Glaube habe zwei Wurzeln: das Evangelium und die Lehre der Kirche.

Aus solcher Frömmigkeit heraus, setzt sich der Oberhirte für die innere Erneuerung der Kirche ein, sorgt sich um Nachwuchs bei geistlichen Berufen und Ordensleuten. Er sieht die Kirche in diesem Bild treffend charakterisiert: wie vor dem ersten Pfingstfest in Jerusalem um die Gottesmutter Maria geschart und um den Heiligen Geist bittend. Darin spiegelt sich für Wilhelm Schraml das innerste Wesen der Kirche. Die Gottesmutter ist für ihn auch ganz persönlich „Wegweiserin“ und „Wegzeichen“ Christi, dem „einzigen Mittler zu Gott“. Dieser Aspekt marianischer Frömmigkeit schlägt sich auch im Wappen des Bischofs nieder. Entsprechend weiß er sich dem Marienwallfahrtsort Altötting verbunden. Dass er an seinem Geburtstag an einem Wallfahrtsort weilt und dort die Kopie des Altöttinger Gnadenbildes feierlich übergibt, bestätigt dies.

Wolfgang Duschl

 

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