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O-Töne aus Interviews


O-Töne aus Interviews

Bischof Wilhelm Schraml ganz persönlich

 Zum Nachhören

   Bischof Wilhelm Schraml zu...

 Religionsunterricht. Gisela Schulen Passau (10.12.2008)
 Bruder Konrad. Jubiläum Heiligsprechung Br. Konrad (14.05 2009)
 Priestertum. Priesterweihe im Stephansdom (27.06.2009)
 Ehe und Familie. Ehejubiläumstages in Passau (20.09.2009)
 Papstbesuch. Papst Benedikt XVI. in Altötting (11.09.2006)
 Berufung. Jahr für geistliche Berufungen (26.11.2007)

 

... über die Kriegs- und Nachkriegszeit, die seine Kindheit und Jugend geprägt hat.
Diese Zeit hat mein Leben entscheidend geprägt. 1942 musste mein Vater einrücken. Meine Mutter war allein im Geschäft mit uns drei Buben. In der Schule erlebten wir die Vorstufe der Hitlerjugend. Sehr nachdenklich gemacht haben mich die Transporte nach Flossenbürg. Wir haben die Männer mit ihrer Sträflingskleidung gekannt. Aber wir Kinder wussten nicht, was in Flossenbürg geschehen ist. In der Schule wurden wir ausgehorcht: Was wird daheim gesprochen? Mein Nachbar hat über seinen Vater gesprochen, und der Vater wurde dann nach Flossenbürg abtransportiert. 1946 starb plötzlich meine Mutter mit 41 Jahren. Das war ein entschiedener Einschnitt. Wir waren allein und wussten nicht, ob der vermisste Vater noch lebt. Er kam erst 1948 aus der Gefangenschaft zurück. Eine Schwester meiner Mutter hat sich um mich sehr angenommen und gesagt: „Du gehst mit nach Regensburg.“ Die Tante hat quasi die Mutterstelle vertreten und hat mir später den Haushalt geführt. So kam ich nach Regensburg ins Knabenseminar Obermünster. Ich bin dann übergewechselt nach Weiden zu den Augustinern ans Gymnasium und bin nach dem Abitur wieder nach Regensburg zurück. Es war der ganz gerade Weg zum Priestertum.

 

... über Ereignisse, die sein Leben besonders zum geistlichen Beruf geprägt haben.
Das war einmal der Tod meiner Mutter. Vielleicht musste das in der Vorsehung so sein, sonst wäre ich vielleicht nicht zum Studium fort gekommen. Sehr geprägt hat mich als Priester über viele Jahre hinweg Prälat Böhm in Regensburg, ein durch und durch väterlicher Priester, er war Kolpingpräses. Überhaupt die Arbeit in der Kolpingfamilie: Besonders wichtig für mich in den ersten Jahren der Seelsorge war das Leben und Wohnen, die intensive Gemeinschaft im Kolpingheim.

 

... über Halt und Geborgenheit im Leben.
Für mich war das Ideengut Adolf Kolping ein wirklicher Einbruch ins Leben. In der Schule Kolping habe ich zwei Dinge gelernt: die Liebe zu Christus und seine Liebe zur Kirche. Das hat mich fasziniert, auch, dass wir die Menschen zum Wesentlichen hinführen müssen. Wir müssen etwas taugen als Christen. Ich durfte bei Kolping auch Gemeinschaft erfahren. Dieses Familiäre gab mir Geborgenheit. Ich glaube, dass ich vieles nicht geschafft hätte in meinen Leben, wenn ich alles nur allein getan hätte.

 

... über den ersten Eindruck von Passau.
Das war die Passauer Domorgel. Bei einem Schulausflug nach Passau gingen wir auch in den Dom. Der damalige Domorganist Schuster hat uns eingeladen, wer Interesse hat, darf zur Orgel hinaufkommen. Schuster hat gefragt: „Ist einer da, der Orgel spielen kann?“ Da hab ich zaghaft den Finger gehoben und durfte dann auf der Domorgel „Lobe den Herren“ spielen. Ich war mächtig stolz.

 

... über jetzt 49 Priesterjahre.
Ich würde mein Leben wieder in den Dienst und die Nachfolge Christi stellen. Ich habe bei der Priesterweihe mein „Ad sum“, mein „Ich bin Bereit“ gesprochen. Meine Hände habe ich in die Hände des Bischofs gelegt. Der Bischof bestimmte damit auch, wie es weitergeht. Ich hatte eigentlich das Ziel, ein Pfarrer zu werden. Das hat sich Schritt für Schritt anders ergeben. Die einzelnen Wegabschnitte kann man nicht planen. Das habe ich nie gemacht. Ich verstehe das letztlich als Herausforderung, die man nur annehmen kann im Vertrauen, dass Gott selbst durch den Bischof ruft und einen mit seiner Gnade und seinem Segen auf dem Weg durch das Leben begleitet. So ist es für mich eine Freude, in dieser Kirche zu sein und für diese Kirche arbeiten zu dürfen.

 

... über den Wahlspruch und den persönlichen Kontakt zu den Menschen.
Der ist mir sehr wichtig, denn der Glaube lebt von der persönlichen Begegnung mit Christus und untereinander. In diesem Miteinander wächst unser Glaube, im gemeinsamen Zeugnis, im gemeinsamen Beten und Feiern, vor allem in der Eucharistie. Dafür will ich mit und vor den Menschen Zeugnis ablegen. Deswegen bin ich viel unterwegs im Bistum Passau. Wenn ich dabei vor Ort erleben darf, wie sich Jung und Alt einsetzen für den Glauben, dann spornt das auch einen selber an. Für die Kirche gilt generell: Wer bei Christus ist, der ist auch bei den Menschen, in Freude und Leid.

 

... über die Herausforderung der Kirche.
Die Rahmenbedingungen in der Gesellschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Die Aufgabe ist aber immer die gleiche geblieben: das Wort Gottes, das Evangelium Christi entschieden und glaubwürdig zu verkündigen, sei es gelegen oder ungelegen. Ein Gefälligkeitschristentum dient niemandem. Wenn die Leute heute fragen, worauf sie ihr Leben gründen können, haben wir ihnen Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, nahezubringen. Dazu ist die Kirche gestiftet. Das tut sie in den drei Grundvollzügen, nämlich in der Feier der Liturgie, in der Verkündigung des Wortes Gottes und im Dienst am Nächsten. In der Sakramentenvorbereitung, im Religionsunterricht oder im Bereich der Erwachsenenbildung, spielen dann natürlich die Erfordernisse der Gegenwart eine Rolle. Ich erlebe heute in den Pfarrgemeinden engagierte Frauen und Männer, die für ihren Glauben sehr bewusst einstehen, und damit eine lebendige Kirche.

 

... über Freizeit und Ausgleich.
Dann gehe ich gerne Wandern, früher im Steinwald, meiner Heimat, heute im Bayerischen Wald, sei es Richtung Rachel, Lusen oder im Ilztal. ... Draußen unterwegs in Gottes schöner Schöpfung, ja da kann ich auftanken. Zuhause höre ich gerne klassische Musik. Das sind dann Einspielungen der Regensburger Domspatzen, denen ich mich seit Jahrzehnten verbunden weiß. Ein andermal Symphonien von Beethoven, Mahler oder Bruckner. Ich vergleiche dann gerne bei einem Werk die Interpretationen verschiedener Dirigenten und Orchester. Es ist wirklich spannend, wie unterschiedlich das ausfällt. Die Berliner Philharmoniker etwa haben ausgezeichnete Blechbläser, die Wiener dagegen bestechen mit ihren Streichern.

 

... über gefährliche Situationen.
Gefährlich? Da sollte man nicht übertreiben. Aber als wir vor vielen Jahren einmal zu einer Pilgerreise von München aus mit dem Flugzeug gestartet sind, erlebten wir wirklich bange Minuten. Zunächst merkten wir die Nervosität des Flugpersonals. Kurz vor Salzburg informierte uns der Kapitän, das linke Triebwerk brenne. Er wolle schleunigst umkehren. Wir sind dann im Steilflug auf die von Rettungsfahrzeugen grell ausgeleuchtete Landbahn zugesteuert. Die Landung war holprig, aber es passierte nichts. Heute kann man darüber schmunzeln, dass sich der Triebwerksschaden am Ende als Computerfehler herausstellte.

 

... über schöne Erlebnisse.
Schöne Erlebnisse? Da gibt es viele. … Unvergessliche Stunden, unvergängliche Momente durften wir in Altötting und Marktl erleben. Die Begegnungen mit unserem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., an jenem 11. September 2006 zählen zu den großen und bleibenden Ereignissen in der traditionsreichen Geschichte unserer altehrwürdigen Diözese Passau. Ein Papst, der in unserem Bistum geboren wurde, kehrte zurück in seine Heimat, zu seinen Wurzeln. Papst Benedikt XVI. war an diesem Tag im wahrsten Sinn des Wortes bei uns daheim.