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Unser Haus Geschichte


      

                                                                                                  

Priesterseminar          Unser Haus          Priester werden          Propädeutikum   

Hausleitung

 
 
Geschichte des Hauses
 
Bis zum Konzil von Trient (1545-1563) gab es keine allgemein verbindlichen Normen und erst recht keine entsprechenden Einrichtungen für die Ausbildung der Priester. Die meisten absolvierten beim Pfarrer eine Art Lehre und stiegen nach einer gewissen Zeit zu Gesellpriestern auf. Dennoch gab es in Passau seit dem 8. Jahrhundert eine Domschule für den Nachwuchs. Einige Priester, die höhere geistliche Ämter anstrebten, hatten die Möglichkeit, an den Universitäten Wien, Prag und Ingolstadt zu studieren, ohne aber als künftige Seelsorger ausgebildet zu werden. Fürstbischof Wolfgang von Salm (1541-1555) gründete dann ein Gymnasium ?Literarium Pataviense?, eine private Hofschule. Urban von Trennbach (1561-1598) konnte ein kleines Seminar für zwölf Passauer Alumnen in Wien ausstatten. Ein eigenes Seminar in Passau zu errichten scheiterte. 
Die beiden Fürstbischöfe aus dem Hause Habsburg, Erzherzog Leopold (1598-1625) und Leopold Wilhelm (1625-1662), lösten diese Probleme. 1611 kamen die Jesuiten nach Passau. Mit ihnen wurde an der Innseite ein geistig-geistliches Zentrum mit Gymnasium, Diözesanhochschule und Hoftheater gegründet. Verbunden damit war ein Klerikalseminar, dem Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg (1689-1712) ein neues Heim in der heutigen Staatlichen Bibliothek gab. 
Joseph Maria von Thun (1761-1763) löste die enge Beziehung zu den Jesuiten. In Domnähe wurde 1762 eine neue Priesterbildungsanstalt mit 20 Alumnen eröffnet. Kardinal Leopold Ernst Graf von Firmian (1763-1783) ließ durch eigene Professoren Kirchenrecht, Dogmatik und Moral dozieren. Das Seminar in Passau, als rein wissenschaftliche Institution, wurde ergänzt durch Stätten für die pastorale Ausbildung nach der Weihe. So entstanden die Priesterhäuser in Enns an der Donau und Gutenbrunn. Daneben wurden Alumnen im Jesuitenseminar St. Barbara in Wien ausgebildet. Mit der Zerstörung des alten Bistums durch Kaiser Joseph II. brach die Priesterausbildung ein. Nach der Säkularisierung 1803 konnten drei Jahrzehnte in Passau keine Geistlichen ausgebildet werden. Dies erfolgte im Georgianum in Landshut und später in München.

 

Mit Bischof Karl Joseph von Riccabona (1826-1839) kam die Wende. Am 8. Oktober 1828 erfolgte die königliche Entschließung, welche als die Gründungsurkunde des Passauer Seminars bezeichnet wird. Am 1. Dezember begannen die Vorlesungen. Dem Bischof war neben dem Studium die geistig-geistliche Entwicklung der gesamten Persönlichkeit besonders wichtig. Unter dem ersten Regens, Joseph Alois Rotermundt, war das Seminar im Stainerschen Priesterhaus am Dom, dem heutigen Seminar St. Maximilian, untergebracht. 
 
Bischof Heinrich von Hofstätter (1839-1875) baute das Werk Riccabonas aus und eröffnete ein Knabenseminar im Stainerschen Priesterhaus, nun St. Maximilian. Für die Oberabteilung entstand St. Valentin. Das Klerikalseminar erhielt den Namen St. Stephan und beherbergte 1852 über 100 Alumnen. Dann sank die Zahl aber deutlich auf nur 40. Bischof Joseph Franz von Weckert (1875-1889) vermochte die Situation nicht sofort zu bessern, setzte aber mit Besonnenheit eine zeitgemäße Priesterausbildung durch, so dass in den folgenden Jahren durchschnittlich 90 Alumnen in St. Stephan studierten. 
 
Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf (1906-1936) weihte im November 1910 die eigene Kirche des Seminares ein. Im Ersten Weltkrieg waren 1917 von 86 Diözesantheologen mit einer einzigen Ausnahme alle eingezogen. Jahre hindurch fanden keine Weihen mehr statt. Das Seminar nahm 1918 mit 55 Alumnen die Arbeit wieder auf. Es folgten dramatische Jahre, in denen die Seminaristen zum Teil hungern mussten. Die politischen Umwälzungen wurden im Seminar mit großer Skepsis beobachtet. Klar grenzte man sich zusammen mit dem neuen Bischof, Dr. Simon Konrad Landersdorfer (1936-1968), gegenüber den Nationalsozialisten ab. Die Konsequenz waren Hausdurchsuchungen, Verbote und Schikanen. 1939 wurde das Klerikalseminar in Beschlag genommen und als Lazarett verwendet. Die Studenten, soweit nicht zur Wehrmacht einberufen, mussten nach Eichstätt gehen. Der Bischof und der Regens sandten mit Feldpostbriefen geistliche Texte und Meditationen an die Soldaten. 
 
Als das Seminar 1945 den Betrieb wieder aufnahm, galt es junge Männer mit furchtbaren Erfahrungen aus Krieg und Gefangenschaft zu integrieren und zu begleiten. Die Zahl der Weihekandidaten bis in die 50er Jahre hinein war klein, manchmal konnte nur ein Priester geweiht werden. Mit Antonius Hofmann wurde 1955 ein späterer Diözesanbischof (1968-1984) Regens im Seminar. Dies nicht nur in einer Umbruchszeit innerhalb der Kirche, die mit dem II. Vatikanischen Konzil einsetze. Auch gesellschaftlich stand die Kirche vor neuen Herausforderungen. Hofmanns Nachfolger als Regens im Priesterseminar, Franz Xaver Eder, sollte 1984 auch die Nachfolge als 83. Bischof von Passau (bis 2001) antreten. Beide verstanden sich auch als geistliche Wegbegleiter der Alumnen. Sie förderten die wissenschaftliche Ausbildung und setzten gleichzeitig auf die ganz persönliche Entscheidung für das Priesteramt. Dompropst Dr. Hans Wagenhammer und Domkapitular Josef Werkstetter mussten sich den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen stellen. Weniger junge Männer gingen den Weg in der Nachfolge Christi als Priester. Auch Ludwig Limbrunner, von 2003 bis 2008 als Regens verantwortlich, musste sich dieser Problematik stellen. Heute sind die jungen Männer, die sich auf den Weg in das Priesteramt machen, im persönlichen Zeugnis noch stärker herausgefordert. Aber die Frage nach Berufungen ist auch eine Frage an das ganze Bistum, an die Pfarrgemeinden, die Verbände, die Einrichtungen und die Familien. Um dies in der Diözese Passau deutlich zu unterstreichen, hat Diözesanbischof Wilhelm Schraml im Kirchenjahr 2006/2007 ein Jahr für geistliche Berufungen ausgerufen. 
Ein großer Einschnitt in die Priesterausbildung der Diözese Passau war die Stilllegung der katholisch-theologischen Fakultät an der Univerität Passau im Jahre 2008. Seit dieser Zeit studieren die Passauer Alumnen in Regensburg Theologie und nehmen im Rahmen eines Kooperationsabkommens zwischen den Bistümern Regensburg und Passau im Priesterseminar Regensburg an der dortigen Priesterausbildung teil; die Diözese Passau stellt dehalb dort den Subregens. Zeitgleich wurde im Passauer Priesterseminar das Propädeutikum der Südbayerischen Kirchenprovinz eingerichtet, der die Erzdiözese München und Freising und die Diözesen Augsburg, Regensburg und Passau angehören.