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Arbeit mit allein Erziehenden - eine pastorale Aufgabe


                    

Alles anders - und doch weiter Familie 

       

In der Diözese Passau sind mehr als 20% aller Familien  „Ein Eltern Familien“.                        
Überwiegend Frauen, zum Teil auch Männer, versorgen ihre Kinder im Alltag allein und sind für die Existenzsicherung der Familie zuständig.
Alleinerziehen,  das heißt: den Alltag mit den Kindern bewältigen, den Lebensunterhalt der Familie sichern, berufliche Anforderungen meistern, Trennungen verkraften…                                                
Das heißt mit vielfältigen Herausforderungen und Belastungen leben.
Alleinerziehen, das heißt aber auch: Sicherheit gewinnen etwas zu schaffen, Vertrauen und Glauben an die Kinder weitergeben, Verantwortung für sich und die Kinder übernehmen, soziale Kontakte zu Freunden und anderen Alleinerziehenden aufbauen, Alltag und religiöse Feste mit den Kindern und in der Pfarrgemeinde gemeinsam gestalten. Dabei wollen wir alleinerziehende Familien unterstützen.

 

Referentin für alleinerziehende Mütter und Väter:
Eva Reif
Domplatz 3
94032 Passau
T 0851 393-6110, Mail: eva.reif@bistum-passau.de
 
 

Angebote:

 

Unsere Familie lebt an mehreren Orten – die Multilokale Familie

 

Gesprächsabend auf Anfrage
Wenn Familien mit Kindern auf zwei oder mehr Haushalte verteilt sind, erfordert das viel Einsatz von allen. Wie kann doing family gelingen und wie können wir den Kindern helfen, Heimat zu erleben?
Anfrage Referat Ehe und Familie, T 0851 393-6101,  referat.ehe-familie@bistum-passau.de

                                                                           

Treffpunkt für alleinerziehende Mütter und Väter
Elterncafe zu verschiedenen Themen, mit Kinderbetreuung.
Kontakt und Vermittlung zu den Treffs       
Eva Reif, T 0851 393-6110,  eva.reif@bistum-passau.de
 
„Wie eine Bärin und wie eine Adlerin“ – Überraschende Gottesbilder in der Bibel
Ein Nachmittag im Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald
Für alleinerziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern
Ort Tierfreigelände in Neuschönau
Termin So, 15.10.2017, 13:00 – 16:00 Uhr
Leitung Eva Reif
Kosten frei
Treffpunkt Hans-Eisenmann-Haus
Anmeldung Referat Ehe und Familie, 0851 393-6101, referat.ehe-familie@bistum-passau.de
 
Ein Nachmittag für Patchwork-Familien
Begegnungsmöglichkeit mit Austausch zu den besonderen Herausforderungen unserer Familie - Impulse und Unterstützungsmöglichkeiten finden
mit Kinderbetreuung
Ort Kloster Schweiklberg, Vilshofen, Haus St. Benedikt,
Termin Sa, 18.11.2017, 14:00 - 19:00 Uhr
Leitung Eva Reif, Dr. Gabriele Pinkl, Mediatorin und Systemische Familientherapeutin
Kosten frei
Anmeldung Referat Ehe und Familie, 0851 393-6101, referat.ehe-familie@bistum-passau.de,
in Zusammenarbeit mit der EFLB Passau
 
 „Apfel, Nuss und Mandelkern …“                                                                                                    
Ein Nikolaus - Wochenende für alleinerziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern  
Ort Bischofsreut, Witikohof
Termin Fr, 8.12., 18:00 Uhr bis So,10.12.2017, 13:00 Uhr                                                                                           
Leitung Eva Reif, Petra Ueberham                                                                                                                                                                                             
Kosten 60 € pro Familie  
Anmeldung Referat Ehe und Familie, 0851 393-6101, referat.ehe-familie@bistum-passau.de
 
Gesprächskreis für Alleinerziehende
Ort Begegnungsstätte für Frauen, Domplatz 3, Passau
Termin jeden ersten Donnerstag im Monat, 18:30 – 21:00 Uhr
Leitung Beate Lempert
Kosten 3 €
ohne Anmeldung
 
Oasentag für Alleinerziehende
Ein Tag Wellness für die Seele, mit Zeiten in der Gruppe und für sich alleine.
Ort Niederalteich, Landvolkshochschule
Termin Sa, 14.10.2017 von 9:30 – 16:00 Uhr
Leitung Michaela Wein und Kathrin Hauser, Fachstelle Alleinerziehende im Bistum Regensburg
Kosten 30 € pro Familie
Anmeldung bis 4.10.2017 an der LVHS, 09901 93520 oder anmeldung@lvhs-niederalteich.de

 

 

 

„Frauen und Männer, die nach Trennungserfahrungen oder dem Tod des Partners alleine erziehen, sind für mich oft wahre Heldinnen und Helden des Alltags!“ betonte Bischof Stefan Oster (mit seinem Namenskollegen Stefan auf dem Schoß) im Kreis von Alleinerziehenden und ihren Kindern sowie den Organisatorinnen beim Begegnungsabend im Haus St. Max.    Foto: U. Friedenberger

 

Alleinerziehend – aber nicht allein

Bischof Dr. Stefan Oster im Gespräch mit alleinstehenden Müttern und Vätern

Verliebt, verlobt, verheiratet, Kindersegen, Familienglück. Ein schöner Traum, der oft wie eine Seifenblase zerplatzt. Denn die Realität sieht in vielen Familien ganz, ganz anders aus. „Kirche ist nicht zuerst die Moralanstalt, in die man erst hineinkommen darf, wenn der eigene Lebensentwurf dazu passt, wenn alles perfekt ist, denn niemand ist perfekt. Kirche ist für jeden da“, betonte Bischof Dr. Stefan Oster SDB bei einem Begegnungsabend, zu dem er alleinerziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern ins Haus St. Max in Passau eingeladen hatte. Und da waren sich nach drei gemeinsam verbrachten Stunden von der kleinen Valentina bis zum Bischof alle einig: „Das hat richtig gut getan!“

Neun Mütter und zwei alleinerziehende Väter mit insgesamt zehn  Kindern und Jugendlichen kamen ins Haus St. Max. Helene Uhrmann-Pauli und Eva Reif vom Referat für Ehe und Familie bei der Diözese
Passau hatten das Treffen vorbereitet. Los ging‘s mit einer Kennenlern-Runde und einem Abendessen. Nach der letzten Kugel Schoko- und Amarena-Kirsch-Eis starteten die Mädchen und Buben samt Betreuerinnen ins Kinderprogramm – und die Mamas und Papas öffneten ihr Herz.

Und so war der Abend reich an Lebensgeschichten von Menschen, die durch Höhen und oft noch mehr Tiefen gegangen sind. Da tat sich die ganze Palette von Gefühlen und Sorgen auf, die über Alleinerziehende hereinbrechen: Die Trauer über den verstorbenen Ehepartner. Die große menschliche Enttäuschung, wenn sich der geliebte Partner aus der vermeintlich sicheren Beziehung verabschiedet. Der Wahnsinn, wenn man plötzlich den kompletten Alltag allein packen muss. Der Kraftakt, rund um die Uhr in der alleinigen Verantwortung für die Kinder zu stehen. Die Sorge, wie die Kinder das alles wegstecken. Vorurteile von außen. Und dann kommen oft noch handfeste finanzielle Probleme dazu: „Als ich plötzlich allein dastand, hab ich keinen Pfennig mehr gehabt, weil schon alles für die Miete drauf gegangen ist. Da war ich dankbar, als mir jemand Brot geschenkt hat“, erzählte eine Teilnehmerin.

Bischof Stefan ließ keinen Zweifel daran: „Frauen und Männer, die alleine erziehen, alles alleine auf die Reihe kriegen müssen, sind für mich wahre Heldinnen und Helden des Alltags.“ Der Bischof erinnerte an die Geschichte seines Ordensvaters: „Don Bosco war auch der Sohn einer Alleinerziehenden. Er ist vaterlos aufgewachsen und hat später den Ehrentitel ,Vater und Lehrer der Jugend‘ bekommen.

Dass es auch in unserer Zeit nicht leicht ist, die Kinder allein groß zu ziehen, zeigten Schilderungen der Betroffenen. Da war zum Beispiel eine alleinerziehende Mama, die vom Tod ihres Mannes nach langer Krankheit berichtete: „Man ist allein auf sich gestellt. Es gibt so viel zu organisieren, finanzielle Schwierigkeiten, Zweifel in Erziehungsfragen. Der Glaube hat mir dabei stark geholfen.“

Ein alleinerziehender Vater schüttelte den Kopf: „Ich hab gemeint, dass ich eine glückliche Ehe führe, bis meine Frau mich verlassen hat.“ Nun habe er eine neue Partnerin gefunden, die ebenfalls Kinder hat und von ihrem Mann verlassen wurde. Gerade werde der Umzug vorbereitet – und dann entsteht mit den Kindern eine richtige Patchwork-Familie: „Jetzt passt es wieder“, meint das Paar, das sich neu gefunden hat.  Der andere alleinerziehende Vater in der Runde erzählte, dass er seit seiner Scheidung vor drei Jahren die Tochter alleine erziehe. Bei der Erstkommunion habe er nun auch das Amt des Tischvaters bekommen. „Sehr gut!“, meinte der Bischof.

„Da gibt es wieder einen anderen Horizont“

Bischof empfiehlt Referat Ehe und Familie als Anlaufstelle

„Es war eine brutale Zeit nach der Trennung. Mit drei pubertierenden Töchtern und finanziellen Schwierigkeiten gerät man an die psychische Extremgrenze“, blickte eine Betroffene an die wohl härteste Zeit ihres Lebens zurück. „Ich bin auch heute noch nicht so weit, dass ich das Leben führe, das ich führen möchte, aber es geht Schritt für Schritt vorwärts. Der Herrgott hat mir immer wieder Menschen geschickt, die mich weiter bringen. Und wenn ich wie so oft in eine Kapelle gehe und eine Kerze anzünde, habe ich das Gefühl: Irgendwie geht’s weiter!“

„In dem kleinen Dorf habe ich mich nach der Trennung geschämt. Du meinst, jeder schaut dich an“, blickte eine Betroffene bekümmert zurück. „Unser Ortsgeistlicher hat mir stark geholfen. Der Glaube ist für mich die eine Kraftquelle, die zweite Kraftquelle ist meine Tochter. Trotzdem würde es nicht gehen, wenn meine Eltern nicht hinter mir stehen und mir die Tochter immer wieder mal abnehmen würden.“ Von dem Halt, den sie im Glauben finden, von der Unterstützung, die sie in schwerer Zeit durch ihre jeweiligen Ortspfarrer erfahren haben, erzählten auch viele andere Betroffene. Und oft fiel dabei der Satz: „Das hat gut getan!“

Diese Unterstützung der Kirche für Menschen in schwierigen Lebensphasen findet Bischof Stefan besonders wichtig: „Das ist für mich ein ganz, ganz zentraler Aspekt von Kirche, dass wir zunächst einmal alle Menschen mit Brüchen sind. Gott ist der, der uns entgegenkommt, der den Weg mit uns gehen will, heilen will, versöhnen will.“

Der Bischof weiter: „Wenn man Jesus anschaut, dann hängt an diesem Kreuz das ganze Elend, die ganze Krankheit der Welt. Das hat er alles für uns mitgetragen. Das ist unser Gott – und nicht der, den man auf eine Moralanstalt reduziert.“ Als konkrete Anlaufstelle empfiehlt Bischof Stefan den Alleinerziehenden im Bistum das Referat Ehe und Familie bei der Diözese mit all seinen Angeboten: „In dieser Gruppe können Betroffene sich austauschen und erfahren: Die Welt mit dieser Enge, die du jetzt gerade erlebst, das ist nicht alles. Da gibt‘s wieder einen anderen Horizont: In die Tiefe mit neuen Wurzeln und in den Himmel – der wird schon wieder offen! Wenn das Kirche macht – ja wunderbar. Das ist unser Auftrag!“

„Das muss ich dem Opa erzählen!“ stand für die 7-jährige Lisa fest, die sich besonders über das Erinnerungsfoto freute, das sie selbst zusammen mit der Mama und dem Herrn Bischof zeigt. Und auch alle anderen hätten viel zu erzählen gehabt, als sie nach drei Stunden des Austauschs vom Haus Sankt Maximilian in den Sommerabend hinaustraten. So mancher hatte noch eine längere Heimfahrt vor sich, denn die Teilnehmer waren aus vielen Ecken des Bistums gekommen. Einig waren sich alle, dass sie gemeinsam einen wertvollen Abend erlebt hatten, dass ihr Einsatz für die Kinder von Bischof Dr. Stefan Oster besonders gewürdigt wurde, dass sie sich austauschen konnten, dass ihnen zugehört wurde: Alleinerziehend, aber nicht allein.

(Artikel: Uschi Friedenberger)

Zitat: Bischof Stefan:
„Zunächst einmal sind wir alle Menschen mit Brüchen“