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Eucharistie verstehen


Messe feiern - Leben erneuern: Gedanken zur Feier der Eucharistie

Seit Oktober 2004 begeht die Katholische Kirche ihr Jahr der Eucharistie. Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben "Mane Nobiscum Domine" [2004] alle Katholiken eingeladen, die verschiedenen Aspekte des Sakraments der Eucharistie zu betrachten und für das christlich-kirchliche Leben neu zu vertiefen (vgl. ebenfalls die Enzyklika "Ecclesia De Eucharistie" [2003] und die Instruktion "Redemptionis sacramentum" [2004]).
 

Ursprung der Eucharistiefeier

Die Feier der Eucharistie wurzelt im Abendmahlssaal. Der 1. Korintherbrief (1 Kor 11, 23-26) und die Evangelien (Mk 14, 22-25; Mt 26, 26-29; Lk 22, 14-20; Joh 13, 1-15 und Joh 6, 51-59) bezeugen uns, dass Jesus die jüdische Tischsitte durchbrochen und in seinem letzten Mahl etwas völlig Neues geschaffen hat. So reichte er gegen die Gewohnheit zum danksagenden Lobpreis den Becher mit Wein an alle weiter und deutete den Brot- und Becherritus auf sich hin. Die Christen sahen deshalb nicht das Mahl als Sakrament an, sondern vielmehr die Danksagung Jesu (Eucharistie), den Lobpreis über Brot und Wein, seine liebende Hingabe, sein geistiges Opfer, den neuen Bund in seinem Blut. Dies war auch der Grund, warum sich Sprechweisen wie Abendmahl oder Herrenmahl verloren. Jesus hatte in dieser Feier seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung vorweggenommen und er bleibt in ihr gegenwärtig, bis er wiederkommt – sooft diese Feier begangen wird. Jesus Christus ist Urgrund und Quelle der Eucharistie.
 

Entwicklung bis zum II. Vatikanischen Konzil

Trotz aller geschichtlichen Veränderungen der Feiergestalt blieb Jesus Christus Sinngestalt und Mitte. Die Erneuerung der Messfeier durch das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Feiergestalt vor Augen, wie sie bei Justin dem Märtyrer (150 n. Chr.) beschrieben worden ist. Dort finden wir zum ersten Mal ausgeprägt einen Wortgottesdienst, der engverbunden ist mit der Feier der Eucharistie. Nach eingehender Prüfung führten die Konzilsväter das über die Jahrhunderte hin verloren gegangene Miteinander von Priester und Laien im Gottesdienst in ihre ursprüngliche Ordnung zurück. Der Priester ist Vorsteher der Feier der Eucharistie und handelt in der Person Christi für die versammelten Gläubigen, die ihrerseits voll, bewusst und mit geistlichem Gewinn an der Messe teilnehmen. Der eigentlich Handelnde bleibt jedoch Christus. Jeder Gottesdienst ist daher zuerst ein Dienst Gottes an den Menschen. Und die Gläubigen antworten auf diesen segensvollen Dienst. So hören wir beispielsweise die alttestamentliche Lesung und antworten auf sie mit dem Antwortpsalm. Weiterhin gilt, dass in der Feier der Eucharistie jeder nur das tun soll, was ihm der Sache nach zukommt. So bleibt z. B. dem Priester oder dem Diakon die Predigt in der Eucharistiefeier vorbehalten. Umgekehrt sollen die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament von Mitgliedern aus der Gemeinde vorgetragen werden.
 

Eucharistie verstehen

  • Eucharistie feiern heißt Dank sagen. Wir stimmen ein in den Lobpreis Jesu beim letzten Mahl und danken dem Vater im Himmel für die liebende Hingabe Jesu Christi am Kreuz und seine Auferstehung. Die Feier der Eucharistie ist in ihrem Hochgebet als dem Dankgebet der Kirche ein Gebet durch Christus und mit ihm im Heiligen Geist zum Vater.
  • Wir gedenken des Lebens Jesu, seines Todes und seiner Auferstehung. Wir tun dies so, dass wir Gott, dem Vater, für Jesus Christus und sein Heilswirken in der Vergangenheit danken, ihn dafür loben, dass wir jetzt in der Gegenwart an dieser Erlösungstat Anteil nehmen dürfen und wir bitten darum, diese Liebe in der Ewigkeit Gottes voll und ganz zu genießen.
  • Durch die Wandlung der eucharistischen Gaben von Brot und Wein erfahren wir die Gegenwart des Herrn (Realpräzenz). Die Gestalt und der Geschmack von Brot und Wein bleiben erhalten, aber diese Gaben werden zur wirklichen Gegenwart der Person Christi.
  • Große Probleme bereitet vielen das Verständnis des Opfers . Durch Jesus hat sich der Opferbegriff erneuert. Es gilt nicht mehr, dass der Mensch seinem Gott opfert, sondern Gott opfert sich selbst für die vielen. Jeder, der Eucharistie mitfeiert, kann sein Leben in das Opfer Christi hineinlegen. Durch Christus kommt unser Leben voll und ganz mit dem Segen Gottes des Vaters in Berührung. Leben kann sich verwandeln, gewinnt Sinn, Halt und Kraft.
  • Ohne den Heiligen Geist geschieht in der Feier der Eucharistie nichts. Die Eucharistie steht unter dem Vorzeichen der Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese) . Er ist die verwandelnde Kraft im Blick auf die eucharistischen Gaben und die versammelte Gemeinde. Isidor von Sevilla (+ 633) stellte das Wirken des Heiligen Geistes als Gabe des Segens so sehr in den Vordergrund, dass er die Eucharistie als Segensgabe bezeichnete - d. h., er betrachtete die Eucharistie von ihrem Ende her, dem Segen, den die Gläubigen mitnehmen. Sie sollen durch den Dienst der Nächsten- und Schöpfungsliebe an der Verwandlung der Welt mitwirken, bis Gott alles in allem ist (1 Kor 15, 28). Dieser Schluss der Eucharistie heißt auf lateinisch "Ite missa est". So hat sich im Sprachgebrauch für die Eucharistie auch der Begriff der Messe durchgesetzt.
  • Eucharistie zu feiern hat die Vollendung der Welt im Blick und ist geprägt vom Geist der Vorfreude auf die Wiederkunft Christi (eschatologische Vorfreude) . Die Feier der Eucharistie atmet eine festlich-frohe Grundstimmung und nimmt das Leben in seiner Weite und Fülle, in seiner Freude und Tragik mit hinein. Dies lässt unser Leben sinnvoll sein und gibt ihm einen hoffnungsvollen Ausblick.
  • Die Feier der Kommunion schließlich drückt die Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander aus. Wir sprechen das Amen , das widerhallt vom Ruf des einzelnen und der Gemeinde am Ende des Hochgebetes. Wir bekennen, der Herr ist hier und jetzt bei uns da. Kardinal Ratzinger beschreibt die Kommunion folgendermaßen: "Es ist wirklich der eine, der gleiche Herr, den wir in der Eucharistie empfangen oder besser: der uns empfängt und uns in sich aufnimmt."
     

Eucharistie, Kirche und Amt

Paulus zeigt den engen Zusammenhang von Kirche und Eucharistie auf (vgl. 1 Kor 10, 16f). In der Feier der Eucharistie wird die Kirche als innigste Gemeinschaft mit Gott und den Menschen erfahren. Es erwächst eine tragende Lebensbeziehung mit Christus. Kardinal Kasper betont, dass die Kirche von Anfang an in diesem Sinne eucharistische Gemeinschaft war. Die Feier der Eucharistie erneuert und vertieft die durch die Taufe vorausgesetzte Einheit. Diese verwirklicht sich im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und im Apostolischen Dienstamt. Da diese Einheit mit den Kirchen der Reformation nicht gegeben ist, kann es noch keine gemeinsame Eucharistiefeier geben.

Den nach der Auferstehung Jesu ausgesandten Aposteln und ihren durch Handauflegung eingesetzten Nachfolgern sowie deren priesterlichen Mitarbeitern kommt "seit frühester Zeit" (Kasper) auf Grund der Weihe der Vorsteherdienst bei der Eucharistiefeier zu. Wie die Eucharistiefeier nur von Christus und nicht von der Gemeinde herleitbar ist, so verhält es sich auch beim Priester. Er handelt durch die sakramentale Weihe in der Person Christi als Vorsteher in der Messe und als Gegenüber zur Gemeinde. Will Gemeinde existieren braucht sie die Feier der Eucharistie und den Priesterdienst. Eine priesterlose Gemeinde ist ein Widerspruch in sich.

Der Dienst des Priesters schließt die Mitwirkung der vielen ehren- und hauptamtlichen Frauen und Männer in der Seelsorge mit ein.

Eine große Sorge unserer Zeit ist es, genügend Priesterberufungen zu haben. Darum braucht es eine breite Mitsorge aller, an der Berufungspastoral mitzuwirken: Im persönlichen Lebensvorbild, im Gebet, in der Mitfeier der Eucharistie, in der Anbetung des Herrn im ausgesetzten Sakrament ("Heilige Stunde") und auf vielerlei andere Weisen.
 

Zusammenfassung

Die Feier der Eucharistie ist ein großartiges Geschenk an uns. Der Papst hat uns in seiner Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (aus dem Jahre 2003) die vielen Aspekte dieser Feier neu zugänglich gemacht. Wir sind aufgerufen, sie mit neuen Augen zu sehen und zu bedenken. Es geht um unsere ganz persönliche Beziehung zu Jesus Christus, in der ich in einer Weise ernst genommen werde, dass es tiefer und würdevoller nicht geschehen kann. Nicht zuletzt bleibt es unverzichtbar, dass wir wieder miteinander von der Messe sprechen und den Kindern ihren Sinn erklären können. Dies geschieht nicht nur auf der Verstandesebene, sondern auch auf der Erfahrungsebene. Z.B. in der Weise: "Wenn ich die Messe mitgefeiert habe, dann atme ich freier auf. Messe zu feiern ist schön, ordnet das Leben und tut gut."
 

Domvikar Dr. Hans Bauernfeind