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Rom - Assisi - Orvieto


Von Papst Franziskus zum hl. Franziskus

Um 9.32 Uhr ist es soweit: Papst Franziskus erscheint auf dem Petersplatz, der längst voller Menschen ist. Sie kommen aus aller Welt und wollen bei der heutigen Generalaudienz unter strahlend blauem Himmel dabei sein. Begeisterte Menschen klatschen, rufen „Papa Francesco, papa Francesco!“, halten Fahnen und Bänder in den Wind. Um 9.38 Uhr fährt der Heilige Vater mit dem Papamobil unmittelbar an der Pilgergruppe aus dem Bistum Passau vorbei, lacht und winkt in ihre Richtung. Für alle ein unvergessliches Erlebnis.
39 Menschen aus vielen Ecken des Bistums Passau haben sich auf den Weg gemacht, um gemeinsam in Italien einige der schönsten und bedeutendsten Stätten des Glaubens zu besuchen. Der geistliche Begleiter, Domkapitular Msgr. Manfred Ertl, traf mit seinen Worten die Pilger bei den Gottesdiensten mitten ins Herz. Er spannte bei seinen Predigten im Laufe der Woche den Bogen in Anlehnung an das Ostergeschehen von der Bedrückung der Jünger über den Tod Jesu beim Emmaus-Gang bis hin zu der befreienden Erkenntnis: „Jesus lebt!“
Die für Organisation und Reiseleitung Zuständigen Klaus Mühlberger (Bayerisches Pilgerbüro) und Irene Huber (Diözesanpilgerstelle) rissen sich die sprichwörtlichen Beine aus, damit in Kooperation mit dem Passauer Bistumsblatt die Reise wie am Schnürchen ablaufen konnte. Den Bus steuerte Georg Berger von der Firma Eichberger.
Zurück zur Papst-Audienz: Der Heilige Vater stellte an diesem Mittwochvormittag mit eindrucksvollen Worten die Kinder in den Mittelpunkt: „Cari fratelli e sorelle, buon giorno!“, begann der Heilige Vater wie üblich seine Ansprache: „Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!“ Er wies darauf hin, dass vielen Kindern auf der Welt an Körper und Seele Leid angetan werde, dass viele gar nicht wissen, was eine Schule ist, dass viele auf der Straße leben, keine medizinische Hilfe haben. Papst Franziskus: „Das ist ein Schrei zu Gott! Kinder sind niemals ein Fehler. Wir sind verantwortlich für die Kinder!“ Zwei Kinder waren bei der Passauer Pilgergruppe: Zum einen die 11-jährige Melanie Podlech aus Hebertshausen, die mit ihrer Oma Dr. Ingeborg Grübl aus Kirchdorf am Inn auf Reisen gegangen war. Das Mädchen kannte den Heiligen Vater – wie fast alle – vorher nur von Fotos und aus dem Fernsehen: „Dass er so nah an uns vorbei fährt, hätte ich nicht gedacht. Ich konnte mit dem Handy ein Foto von ihm machen, auf dem er genau in meine Richtung winkt!“, meinte das Mädchen strahlend nach der Audienz. „Ein ganz besonderes Erlebnis!“, stellte auch Julian Selwitschka aus Schönberg fest. Der 12-jährige Schüler geht heuer zur Firmung und hatte die Reise in Begleitung seiner Mama Ilona Selwitschka als vorgezogenes Firmgeschenk von seinem Paten bekommen.
Ein Firmgeschenk, das er sicher sein ganzes Leben nicht vergessen wird! Begeisterung nach der Audienz bei Monsignore Klaus Hoheisel aus Altreichenau: „Das ist zum einen ein Erlebnis von Weltkirche, dann ein Erlebnis von Freude, wenn man zudem sieht, wieviel Jugend da ist. Es ist ein schönes Gefühl, zu dieser Weltkirche dazuzugehören.“ Auch Sieglinde Drindl aus Altreichenau, seine Haushälterin, hatte die Generalaudienz tief beeindruckt: „Ich finde Papst Franziskus fantastisch. Er begeistert einen einfach!“
Rom zeigte sich der Pilgergemeinschaft aus dem Bistum Passau in diesen nachösterlichen Tagen von seiner schönsten, frühlingshaften Seite. Einer der Glanzpunkte war sicher der Besuch der Domitilla-Katakombe, wo sich die frühen Christen von ihren Verstorbenen verabschiedet und Gottesdienst gefeiert haben, in der Hoffnung und Freude auf ein Wiedersehen. Msgr. Manfred Ertl: „Dieser Ort muss uns ergreifen. Was hier verkündet wurde, war genau der Auferstehungsbericht. Aus dieser österlichen Begeisterung heraus müssen wir unser Leben gestalten und die Osterbotschaft leben lernen!“
Über Orvieto ging es dann nach Assisi – Abschluss und für viele sogar der absolute Höhepunkt der Fahrt. Hier wurde dem Leben des heiligen Franziskus nachgespürt, der heute mehr denn je Menschen jeden Alters aus aller Welt anzieht. Die Reisegruppe tauchte in das Leben des „Poverello“, des kleinen armen, an besonderen Stätten ein: zum Beispiel in der Kirche San Damiano, wo Franziskus sein Berufungs- Erlebnis hatte, in Santa Maria degli Angeli mit der Portiuncula-Kapelle, wo er starb und natürlich in der Basilica San Francesco, wo er begraben liegt. Dort zeigte Bruder Thomas Freidel OFM conv. der Pilgergruppe im „Museo del Tesoro della Basilica di San Francesco“ viele Jahrhunderte alte, kostbare Dokumente, darunter die erste Abschrift von Franziskus‘ weltberühmtem Sonnengesang, die bereits sieben Jahre nach dessen Tod, im Jahr 1233, entstanden ist. In der von Franziskus so geliebten Schöpfung erlebbar wurde der Heilige bei einer schweißtreibende Wanderung zu seiner einstigen Einsiedelei auf dem Berg Monte Subasio, wo Franziskus auf Schritt und Tritt im Herzen dabei war. Hier, wo der heilige Franziskus sich in die Stille und zum Gebet zurückgezogen hatte, feierten die Pilger eine Andacht in der Natur, am Steinaltar, beim schlichten Holzkreuz.
Franz von Assisi steht für eine Kirche der Armen, für die Schöpfung, gegen Prunksucht. Nach ihm hat sich Papst Franziskus benannt. Ein Name mit Programm. Und das, was wir heute als Entschleunigung und Achtsamkeit vor der Natur verstehen, hat der heilige Franziskus mit seiner Liebe zur Schöpfung quasi erfunden und im Sonnengesang unnachahmlich ausgedrückt. Die Pilgerfahrt nach Rom, Orvieto und Assisi – von Papst Franziskus zum  heiligen Franziskus – ging unter die Haut. Sie war weit mehr als ein Abhaken von Sehenswürdigkeiten auf einer Liste. Die Tour wurde zur rechten Glaubensreise, die aus den einzelnen Teilnehmern ein Pilger-Team zusammenschweißte, das gemeinsam im Glauben unterwegs war.
Dies bestätigten die Kommentare der Mitreisenden. So meinte Max Stockinger aus Reichling in der Pfarrei Hintereben: „Eine Super-Woche mit perfekter Organisation. Beeindruckt hat mich, wie der Papst bei der Audienz stehen blieb und die Kinder segnete sowie in Assisi die Wanderung zur Einsiedelei des heiligen Franziskus mit Andacht in freier Natur und der Aussicht in die Weite.“ – „Hier in Assisi wird der Weg zum Eigentlichen, zum Einfachen deutlich. Hier wird einem bewusst, wie wenig man eigentlich braucht“, ergänzte seine Frau Maria Stockinger. „Franziskus hat aus so wenig so viel gemacht. Assisi mit der Lebensgeschichte des Heiligen, der sich dem einfachen Leben und der Schöpfung zugewandt hat, hat mich am meisten beeindruckt. Und dazu der Dom von Orvieto“, fasste Margit Köberl aus Großthannensteig bei Hutthurm zusammen.
„Am meisten beeindruckt hat mich Assisi“, resümierte Marianne Haufe aus Thurmansbang. „Hier hat mich die Krypta der heiligen Klara in der Kirche Santa Chiara sehr angesprochen. In Rom hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, auch in der Basilica San Francesco in Assisi. Die Gottesdienste werden mir in Erinnerung bleiben, die haben mir gut getan!“ „Für mich waren die gemeinsamen Gottesdienste das Berührendste der Reise, die Worte von Manfred Ertl, von denen man sich persönlich angesprochen fühlt. Und dann natürlich die Tatsache, den Papst direkt vor der Nase zu haben. Ein tolles Erlebnis war auch, dass die Gemeinschaft in der Gruppe so gut und harmonisch funktioniert hat!“, beschrieb Dagmar Klingel aus Arnstorf ihre Eindrücke.
Einige waren aufgebrochen, das Herz wie mit Steinen von Sorgen beladen. So mancher dieser Steine konnte zurückgelassen werden. Und so wurde es für viele eine froh machende, für manchen sogar eine befreiende Reise. Jedenfalls kehrte keiner genauso zurück, wie er aufgebrochen war. Jeder wurde reich beschenkt. Im Glauben gemeinsam unterwegs – besonders spürbar wurde dies, wenn bei den Gottesdiensten das Lied angestimmt wurde: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“
                                                                                                                        USCHI FRIEDENBERGER