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Sri Lanka - Begegnungsreise


Sri Lanka - Begegnungsreise der Diözese Passau
Besuch eines Misereor/Sternsinger-Projekts in Jaffna

Wenn man zum Frühstück scharfes Hähnchen-Curry mit Reis zu sich nimmt, ist man ganz in Sri Lanka angekommen. Nicht alle Teilnehmer der Pilgergruppe aus der Diözese Passau, unterwegs mit dem Referat Weltkirche und der Diözesanpilgerstelle, waren so "mutig" und blieben lieber bei der europäischen Variante: Toast mit Marmelade. Eine ganz neue Welt tat sich für die Reisenden auf - nicht nur die Speisen betreffend. Die Fahrt vom Flughafen zur ersten Unterkunft ist für die meisten bereits ein Kulturschock: ärmliche Hütten, eingeschlossen in Riesenpfützen des vorangegangenen Monsunregens, kleinste Garagen-Geschäfte direkt neben der viel befahrenen Straße. Dazu eine ungewohnte Geräuschkulisse: hupende Tuck-tucks, Lastwagen und Busse konkurrierend mit kreischenden Vogelstimmen und Händlern, die lautstark ihre Waren anpreisen. Überraschend auch die Schilder am Straßenrand, die vor Leoparden, Elefanten und Krokodilen warnen und ein ständig auftauchendes Verkehrshindernis: Kuhherden auf der Straße.
Bei allem Fremden, das die Reisegruppe umgibt, empfinden die Pilger die freundliche Aufnahme allerorten um so herzlicher: eine Blumenkette zur Begrüßung, wohlduftende feuchte Handtücher vom Hotelpersonal zur Erfrischung gereicht, ein kühlender Saft von den Früchten der paradiesischen Insel, winkend grüßende Kinder und Erwachsene am Wegesrand.
Begegnung mit Hinduismus und Buddhismus waren ebenso Teil der Reiseausschreibung, wie das Hauptziel der Unternehmung: der Projektbesuch im "Center for Performing Arts" (CPA) im Norden der Insel. Gegründet von Father Saveri, einem katholischen Priester aus Sri Lanka, der Theologie, Philosophie und Hinduismus studiert und gelehrt hat, hat sich diese Schule für Tanz, Musik, Kunst  und Theater der Friedensarbeit verschrieben. In einem Land, in dem fast 30 Jahre lang Bürgerkrieg herrschte, ist es nicht selbstverständlich, dass sich Tamilen, Singhalesen, Buddhisten, Hindus, Muslime und Christen gemeinsamen Projekten widmen. Genau dies sieht Rev.  Saveri als seine Aufgabe: "Ich bezeuge mit meinem Leben, dass ich Christ bin; aber ich sage keinem: Werde Christ!" Umso erstaunlicher, dass zu den Passionsspielen des CPAs hunderte Zuschauer aller Religionsgruppen  in der Passionswoche kommen, um die Dramaturgie der Leidensgeschichte Jesu zu erleben.
Saveri hat langjährige persönliche Verbindungen nach Passau, seit seiner Studienzeit in der Donaustadt. Viele ehemalige Weggefährten waren nun zu einem Gegenbesuch in Asien. So wurde die Begegnung zu einer Zusammenkunft unter Freunden. Auch Reiseteilnehmer, für die es das erste Kennenlernen mit Father Saveri war, schätzten die persönliche Atmosphäre. Näher kann man einem Land nicht leicht kommen: Die Gruppe war Teil der Grundsteinlegung für ein neues Tanzzentrum für traditionelle Tänze und durfte der Zeremonie unter freiem Himmel beiwohnen. Mit einem Lied trug die Gruppe zum Festakt bei und bedankte sich auf ihre Weise.
Die Reisegruppe durfte auch einer Gemäldeenthüllung beiwohnen: Asai Rasiak, Portrait-Maler aus Jaffna, hatte im Krieg alles verloren. Er erzählte, dass es nicht seine reichen Freunde waren, die ihm danach halfen, wieder auf die Beine zu kommen, sondern Rev. Saveri. Ein Portrait eines vorbildlichen Menschens wollte er malen und hat es mit dem Gemälde Saveris verwiklicht. Dieser Priester "gibt dem Land eine Perspektive," so Asai Rasiak.
Bei einer stimmungsvollen Abendveranstaltung mit Geschichten erzählenden Tänzen, zu Liedern Sri Lankas, eindrucksvoll  dargeboten in farbenprächtigen selbst geschneiderten Kostümen, tauchte die Gruppe ein in die glanzvolle Welt der Insel - in einer ansonsten armen Region. "Meine Fotos zeig ich zu Hause den Sternsingern, damit sie sehen, was mit ihrem gesammelten Geld passiert," erzählte eine Teilnehmerin begeistert. Hoffnung zu bringen für oftmals traumatisierte Kinder, Friedensarbeit durch Kunstprojekte, das ist die Lebensaufgabe Saveris, gefördert von Misereor, Sternsinger und der Diözese Passau. Die Grundlage für eine Lebenseinstellung, die Grenzen zwischen ethnischen und religiösen Gruppierungen überwindet, verkündet die Aufschrift auf einem Tuck-tuck vor der theologisch-philosophischen Universität Jaffnas: "God is love" - Gott ist Liebe.
Irene Huber