Menu

Heiliges Land - Sr. Gabriele Zinkl


"Fräulein trau dich!"
Der spirituelle Weg, der Dr. Gabriele Zinkl in den Orden der Barromäerinnen führte

Immer weniger Menschen spüren den Ruf Gottes in sich. Die Pfarrverbände werden deshalb immer größer und die Klöster immer leerer. Doch es gibt auch ermutigende Beispiele. Eines davon ist Schwester Gabriela, eine junge Ordensfrau aus der Diözese Regensburg. Eine Pilgergruppe aus dem Bistum Passau traf sie auf einer Reise ins Heilige Land im Gästehaus St. Charles in Jerusalem. Dieses ehemalige Hospiz wird von der Ordensgemeinschaft der „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus“ geführt.

Eigentlich sei in ihrem Leben alles gut gelaufen, sagt Schwester Gabriela, wenn sie zurückblickt. Als einzige Tochter der Familie eines Steuerberater studiert sie nach dem Abitur Theologie mit dem Berufsziel Pastoralreferentin. Weil sie schon während des Studiums immer neugieriger auf die tieferen religiösen Fragen wird, beginnt sie das Studium des Kirchenrechts und schließt es mit einer Doktorarbeit ab.

Dr. Gabriele Zinkl, eine junge, gescheite und offene Frau, wird schnell vom Katholischen Deutschen Frauenbund entdeckt und in den Bundesvorstand gewählt. In diesem Amt darf sie eine Spende für den Kindergarten der Borromäerinnen nach Jerusalem überbringen. „Der besondere Geist des Hauses und
die Schwesterngemeinschaft haben mir von diesem Zeitpunkt an keine Ruhe mehr gelassen“, erinnert sie sich. Sie habe das starke Gefühl gehabt, dass Jesus jetzt mehr über sie wache und oft ganz nahe an ihrer Seite sei. Das habe sich anschließend bei ihrer täglichen Arbeit als Richterin am Ehegericht der Diözese Regensburg verstärkt. Immer öfter sei ihr der Gedanke gekommen, dem inneren Drängen zu folgen und sich für das Leben in einem Orden zu entscheiden. Aber wie sollte sie es ihrem Freund, der schon auf die Hochzeit wartete, und ihren Eltern erklären?

Auf dem Weg zur Arbeit ging Dr. Gabriele Zinkl jeden Tag an einem Geschäft für Brautmoden vorbei und warf dort auch immer wieder einen Blick auf die modischen Kleider. „Fräulein, trau dich“, ermunterte die Reklame im Schaufenster und nach mehr als einem Jahr des Überlegens habe sie sich getraut. „Ich habe mich getraut, nein zu sagen zu meinem Freund und zu meinen Eltern und ja zu sagen zu dem deutlichen Ruf, alles Bisherige stehen und liegen zu lassen und einen ganz neuen Weg zu gehen. Im August 2015 hat sich Dr. Gabriele Zinkl im Alter von 38 Jahren als Kandidatin im deutschen Mutterhaus der Borromäerinnen in Grafschaft im Sauerland angemeldet.

Und wie haben die Menschen in ihrer Umgebung darauf reagiert? „Meine Mutter und mein Freund sind bis heute über meine Entscheidung enttäuscht und ich spüre das auch“, erzählt Schwester Gabriela. Unterstützung habe sie nirgends erfahren. Auch bei ihrem Arbeitgeber, der Diözese Regensburg, habe es nur skeptische Kommentare und keine Ermutigung gegeben. Auf Unverständnis sei ihr Schritt auch bei Leuten aus dem Frauenbund gestoßen. Dort kämpfe man schließlich für die Rechte der Frauen und sie wolle sich nun unterordnen, war die Reaktion. „Das hat mich schon geärgert“, denkt sie zurück und appelliert: „Sind Sie offen, wenn ein Mensch aus Ihrer Umgebung den Schritt der geistlichen Berufung geht!“

Schon im September des vergangenen Jahres ging der Wunsch von Dr. Gabriele Zinkl mit der Entsendung in den Konvent nach Jerusalem in Erfüllung. „Eineinhalb Jahre habe ich hier jeden Tag überlegt, ob meine Entscheidung endgültig sein kann, ob ich bereit bin“, beschreibt Schwester Gabriela die zurück liegende Zeit. Dann kam mit der Einkleidung ein entscheidender Schritt. Am 2. April, dem Barmherzigkeitssonntag, wurde sie als Novizin in die Ordensgemeinschaft aufgenommen. Die Einkleidung sei eine beeindruckende Feier gewesen, an der befreundete Ordensleute aus Jerusalem teilgenommen haben. Aus Deutschland war niemand gekommen. „Das ist sich wohl nicht ausgegangen“, findet sie sich ab.

Mit dem 2. April ist aus Dr. Gabriele Zinkl Schwester Gabriela geworden. Sie trägt die Schwestertracht und als äußeres Zeichen einer Novizin den weißen Schleier. „In welchem anderen Beruf gibt es schon maßgeschneiderte Arbeitskleidung?“, lacht sie mit Blick auf das strahlend weiße Schwesternkleid. So wurde aus einem Brautkleid im „Fräulein, trau dich“-Laden das schlichte Kleid der Ordensfrau für Schwester Gabriela.

Ihre Studien wendet Schwester Gabriela auch in Jerusalem an. Sie hält Vorlesungen über Kirchenrecht an der dortigen Hochschule der Salesianer. Ansonsten wird ihr viel Zeit gelassen zum Erlernen der hebräischen Sprache und für ihre persönliche Spiritualität. In zwei Jahren ist dann der Zeitpunkt für die zeitlichen Gelübde gekommen. Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit und Barmherzigkeit geloben die „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus“. „Die Barmherzigkeit ist das schwerste Gelübde“, weiß Oberin Schwester Daniela. „Jeder Mensch ist von Gott geliebt“, ist sie überzeugt und das praktizieren die Borromäerinnen im Jerusalemer Konvent. Neben dem Gästehaus für Pilger betreiben sie einen Kindergarten mit 140 Plätzen für arabische Kinder mit einem besonderen Bildungskonzept. Sie hätten die geringsten Bildungschancen im Land. „In den Klassenzimmern hängen Kreuze obwohl die Kinder und deren Eltern Moslems sind“, betont die Oberin. „Wir wollen damit klar zeigen, welcher Geist in diesem Haus herrscht.“

„Denken Sie manchmal an die bayerische Seele in Jerusalem“, gibt Schwester Gabriela den Reisenden aus dem Bistum Passau mit auf den Heimweg. Und der Autor verspricht stellvertretend für die Pilgergruppe: „Das tun wir, liebe Schwester Gabriela, und wünschen Ihnen Gottes Segen.“
OTTO DONAUBAUER ?

 

AnhangGröße
PDF icon 2016 Israel Artikel_SrGabriela.pdf481.42 KB