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Bischof Wilhelm Schraml: Statement zur Eröffnung Geburtshaus


Wenn ich nach Marktl komme, erinnere ich mich an das vergangene Jahr. Am 11. September durfte ich unseren Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., hier am Abend noch einmal begrüßen und ihn in die Pfarrkirche St. Oswald begleiten. Zusammen mit seinem Bruder Georg stand der Papst im stillen Gebet am Taufstein. Das waren auch eindrucksvolle Momente für alle, die dabei sein durften. Was der Papst damals in das Goldene Buch schrieb, drückt in diesen wenigen Worten treffend aus, wie er die Stätte seiner Geburt und noch mehr seiner Taufe selber einordnet: "Segne diesen Ort, der mir so teuer ist". Und diese persönliche Nähe zum Ort hat der Papst mehrfach bestätigt. Als er 1997 die Ehrenbürgerwürde in Empfang nahm oder als er 2005 beim Rückflug von Köln nach Rom vom Flugzeug aus die Marktler grüßte. Joseph Ratzinger und Marktl: Das ist, man könnte es so sagen, eine "lebenslange Geschichte".

Und diese Lebensgeschichte, die hier vor 80 Jahren begann, bekommt nun in Marktl einen ganz besonderen Ort, ein eigenes Zentrum, einen eigenen Focus: Im Geburtshaus. Dort haben wir mit der "Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI." ein Stätte geschaffen, in der die Person und das Amt des Papstes gewürdigt wird: Nicht als rein museale Gedenkstätte, sondern als lebendige Begegnungsstätte.

Es wird in den Räumen zum Tragen kommen, wie der junge Joseph Ratzinger aufgewachsen ist. Welchen großen Stellenwert die Familie und der Glaube seiner Familie für ihn hatte. Wir werden die Biographie betrachten mit seinem Studium und dem späteren Wirken als Theologieprofessor. Wir nehmen die Jahre seines Wirkens als Erzbischof in den Blick und dann seinen Beitrag als "Diener der Wahrheit" im Amt als Präfekt der Glaubenskongregation.

Ja, und dann ist da jener 19. April 2005. Ein unvergesslicher Abend für uns alle. Ein Landsmann, der eben aus Marktl am Inn und damit aus unserem Bistum Passau stammt, wurde zum Papst gewählt. Dass der Ort an diesem Abend und den kommenden Wochen manchmal schier auf dem Kopf stand, wissen wir alle, die Medienleute ganz bestimmt. Aber – und das möchte ich heute in aller Deutlichkeit sagen - unsere Marktler bemühen sich nach Kräften, mit der Tatsache, dass hier ein Papst geboren ist, würdevoll und angemessen umzugehen. Unsere Begegnungsstätte will dazu auch einen entscheidenden Beitrag leisten. Und die Stunden des 11. September 2006 haben ja eindeutig gezeigt, dass die Menschen hier im Ort und die Gläubigen der Pfarrei wirklich mehr wollen und können als nur "vermarkteln". Da gilt mein Dank auch der politischen Gemeinde und dem Bürgermeister Hubert Gschwendtner.

Dieses Geburtshaus lädt zu zwei ganz wichtigen Beobachtungen ein:

Erstens: Für den Papst war die Erfahrung einer tiefgläubigen Familie prägend und, wie er selbst oft sagte, äußerst wichtig. Eltern, die beten, die ihre Kinder mit Glauben und Kirche zusammenbringen und für ihre Kinder Zeugen des Glaubens sind, solche Eltern haben Joseph, Georg und Maria erfahren.

Ein zweites ist die Taufe: Der Papst erinnert sich selbst praktisch nicht an den Ort, in dem er nur die ersten beiden Jahre seines Lebens verbrachte. Doch die Taufe mit dem Osterwasser schon wenige Stunden nach der Geburt am 16. April 1927, einem Karsamstag, war für die Familie etwas Bedeutsames. "Der erste Täufling des neuen Wassers zu sein", schreibt er später etwa, "wurde als eine bedeutsame Fügung angesehen" (Buch "Aus meinem Leben"). Dass sein Leben so von Anfang an ins Ostergeheimnis eingetaucht gewesen war, hat ihn immer mit Dankbarkeit erfüllt. Die Bedeutung dieser Taufe, des sakramentalen Hineingenommen-Werdens in die Kirche, hat der Papst ja deutlich unterstrichen, indem er bewusst St. Oswald mit dem Taufstein besuchte. Und deswegen werden wir anlässlich des 80. Geburtstages des Heiligen Vaters am Sonntag in dieser Kirche auch Eucharistie feiern und dabei unser Taufgelübde erneuern.

Stichwort Geburtstag: In wenigen Tagen darf der Papst 80. Geburtstag feiern. Es wäre unangemessen, ihm heute schon zu gratulieren. Doch ich darf dem Papst versichern, dass wir uns ihm am Montag von Herzen verbunden wissen. Und wenn Sie so wollen, ist das Geburtshaus, die offizielle Eröffnung dieser Begegnungsstätte, sozusagen ein kleines "Geburtstags-Geschenk" aus der Heimat und aus der Diözese, aus der der Papst stammt.

Für die Verantwortlichen in der Stiftung, für das Bistum Passau und die Erzdiözese München-Freising sollen die Menschen in diesem Geburtshaus erfahren vom Papst aus Bayern, vom herausragenden Theologen, vom mutmachenden Zeugen Jesu Christi, der bestärkt in der Freude am Glauben. Die Menschen dürfen auch hier im Geburtshaus persönlich spüren und mit nach Hause nehmen, was Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung gesprochen hat und von Hunderttausenden im vergangenen Herbst erlebt worden ist: "Wer glaubt, ist nie allein."

Eine solche Stätte der Begegnung und des Glaubens strahlt dann auch hinein in die Kirche und in das Leben der Pfarreien. So lade ich alle Gläubigen und alle Interessierten hier her nach Marktl ein, in das Geburtshaus von Papst Benedikt XVI.
 

Wilhelm Schraml
Bischof von Passau