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Bistum Passau veröffentlicht erstmals die Jahresabschlüsse seiner maßgeblichen Rechtsträger nach dem Standard des Handelsgesetzbuchs.


Datum: 
26.07.2016

Bereits wenige Monate nach dem Amtsantritt von Bischof Dr. Stefan Oster SDB wurden in der Diözese Passau im Dezember 2014 die Finanzmittel einzelner Rechtsträger umfassend veröffentlicht. Dazu gehören: Der Bischöfliche Stuhl, die Diözese, das Domkapitel sowie die Emeritenanstalt.

 

Bei der ersten Veröffentlichung Ende 2014 konnten die Immobilien und Grundstücke noch nicht aussagekräftig bewertet werden. Im Zuge der Umstellung der Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch wurden nun sowohl Grundstücke als auch Gebäude, Kunstgegenstände und Inventar unter erheblichem Aufwand detailliert bewertet. „Es freut mich, dass es uns gelungen ist, diesen zusätzlichen hohen Arbeitsaufwand in den verschiedenen Abteilungen mit eigenen Kräften zu stemmen“, betont Bischof Dr. Stefan Oster. So wurden alle Einrichtungsgegenstände und Immobilien nicht nur nach einem staatlich anerkannten Standard, sondern mit der Zielsetzung der maximalen Transparenz bewertet; „Es sollten damit Zeitwerte in der Bilanz erfasst werden“, wie Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner die Vorgehensweise darlegt. „Etwaige stille Reserven in den Vermögensgegenständen werden so offengelegt und dadurch ist Transparenz bezüglich der wahren wirtschaftlichen Verhältnisse möglich“. Die Jahresabschlüsse der einzelnen Rechtsträger wurden von einer namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und mit einem uneingeschränkten Prüfungstestat versehen.

„Die Glaubwürdigkeit der Kirche wird heute auch daran gemessen, wie transparent und nachhaltig wir mit unseren Finanzen und Vermögen umgehen“, betonen Generalvikar Dr. Klaus Metzl und Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner. Die Diözese veröffentlicht bereits jährlich ihren Haushalt und wird künftig auch regelmäßig einen Jahresabschlussbericht vorlegen. „Dieser erste Jahresabschluss nach dem Handelsgesetzbuch bestätigt, dass wir mit den uns anvertrauten Ressourcen verantwortungsbewusst und im Sinne des Evangeliums umgegangen sind“, so Metzl. Das Bistum Passau gehört flächenmäßig zu den kleineren Diözesen Deutschlands, aber „der nach wie vor höchste Katholikenanteil einer deutschen Diözese und die Bereitschaft, der großen Glaubensgemeinschaft anzugehören und Schwächere in unserer Gemeinschaft zu unterstützen, machen es uns möglich, viele Hilfseinrichtungen zu unterstützen und Angebote für Schwächere bereitzuhalten“, so Bischof Stefan Oster. „Dafür gebührt allen Gläubigen unser großer Dank.“ Die Haupteinnahmequelle stellt im Bistum Passau die Kirchensteuer dar, so werden gut 75 Prozent der Erträge aus Kirchensteuermitteln bestritten. „Genau diese Kirchensteuermittel sind es, die es uns ermöglichen, das breite Wirken in unserer vielschichtigen Gesellschaft auf Dauer zu gewährleisten. Die zahlreichen Angebote gerade im Bereich der Seelsorge werden angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen immer notwendiger und kommen allen Menschen unabhängig von Herkunft oder Glaube zu Gute.“, ergänzt Generalvikar Metzl.

Die wesentlichen weiteren Einnahmequellen sind Erträge aus Zuweisungen und Zuschüssen sowie Umsatzerlöse und Beiträge.

Die unten aufgeführten Jahresabschlüsse der einzelnen Rechtsträger enthalten jeweils eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung.
 

 

Bischöflicher Stuhl

Das Eigenkapital des Bischöflichen Stuhls beläuft sich auf rund 269 Millionen Euro. „Darin enthalten ist unter dem Punkt übrige Rücklagen eine Gesamtsumme von 248 Millionen Euro, die langfristig eine Sicherheit für den gesamten laufenden Betrieb der Diözese darstellt“, betont Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner. Finanzanlagen und Bankbestände wurden bereits im Dezember 2014 umfassend veröffentlicht.

Erstmals vollständig bewertet und ausgewiesen ist nun auch das komplette Anlage- und Umlaufvermögen. Darin enthalten sind die dem Bischöflichen Stuhl zugehörigen Gebäude und Grundstücke. Diese so genannten Sachanlagen umfassen einen Wert von rund 20,3 Millionen Euro. Als Verbindlichkeiten sind im Bischöflichen Stuhl auch rund 114 Millionen Euro gegenüber der Emeritenanstalt bilanziert, also der Kapitalstock für Pensionen der Priester. Auch das Sondervermögen des Bischof Eder Fonds ist im Bischöflichen Stuhl aufgelistet; diese rund 2,9 Millionen Euro werden treuhänderisch im Stuhl verwaltet. Verwaltet wird der Bischöfliche Stuhl vom Diözesanvermögensrat (DVR). Diesem Gremium gehören neben dem Bischof selbst, zwei leitende Mitarbeiter der Bischöflichen Finanzkammer sowie seit Anfang Juli 2014 drei weitere vom Diözesansteuerausschuss gewählte Vertreter an. Aufgabe ist es, fachkundig und entsprechend den rechtlichen Vorgaben das Vermögen der Diözese, des Bischöflichen Stuhls sowie der dem Bischof unmittelbar unterstellten kirchlichen Stiftungen zu verwalten. Der Bischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

 

Zur Geschichte des Bischöflichen Stuhls:

Die Ursprünge gehen zurück auf die so genannte „mensa episcopalis“, den Bischofstisch. Dessen Erträge bildeten das materielle Fundament des bischöflichen Wirkens. Das heißt, diese Erträge waren die Grundlage, um die Aufgaben der Seelsorge und den kirchlichen Sendungsauftrag sicherzustellen. Später wurden diese Vermögenswerte Teil des Hochstiftes Passau, über dessen Erträge wiederum der Bischof verfügte. In den allerersten Jahrhunderten wurden damit auch die Aufwendungen für das Domkapitel finanziert. Vergleichbare Vermögensbestände, besondere landwirtschaftliche Güter, gab es bei allen kirchlichen Stellen, Pfarrern, Domkapitel, Domherren und Bischöfen. Nach den Umbrüchen der Säkularisation und der Einführung der Kirchensteuer entstand im Laufe der Zeit durch Dotationsgüter oder Schenkungen (etwa von Priestern) der Bischöfliche Stuhl in seiner heutigen Form mit eigenen Vermögenswerten, über die der jeweilige Bischof verfügen konnte.

Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls wird wie Stiftungsvermögen verwaltet. Mit den Erträgen kommt der Bischöfliche Stuhl in hohem Maße seinen sozialen Verpflichtungen nach. Als Beispiele können unter anderem die maßgebliche Finanzierung des Konradinums in Passau genannt werden, die Sanierung der Landvolkshochschule Niederalteich, die Teil-Generalsanierung der Liegenschaften des Mädchenwerks in Zwiesel, die Unterstützung des Hospiz Niederalteich oder auch des Frauenhauses Passau. Entscheidend für die Mittelvergabe ist eine Reihe von Kriterien, z. B. dass mit einer Zuwendung aus dem Bischöflichen Stuhl gemeinnützige, caritative oder mildtätige, kulturelle sowie wissenschaftliche Zwecke verfolgt werden. Diese Zuwendungen könnten üblicherweise nicht im Diözesanhaushalt abgebildet werden.

 

 


 

 

 

 

 
Die Diözese

Das Eigenkapital der Diözese beläuft sich auf rund 332 Millionen Euro. In der Bilanz erstmals vollständig bewertet und ausgewiesen ist nun -  wie beim Bischöflichen Stuhl - auch das komplette Sachanlagevermögen, zu dem u.a. das Gebäudevermögen der Diözese sowie Grundstücke, technische Anlagen und Kunstgegenstände gehören. Die Gesamtsumme in der Bilanz beträgt hierfür rund 39,9 Millionen Euro. Zum Gebäudevermögen der Diözese gehören insbesondere Verwaltungsgebäude, Bildungshäuser (z.B. Haus der Jugend in Passau sowie Haus der Begegnung in Burghausen) und Mietgebäude (z.B. das Haus des Diözesancaritasverbandes am Steinweg 8 in Passau, Gartlberg 5 und 6 in Pfarrkirchen oder auch das Dekanatshaus am Kapellplatz 8 und 10 in Altötting), nicht jedoch der Dom oder Kirchen. Die sakralen Gebäude gehören zu den jeweiligen Kirchenstiftungen.

Die Diözese verantwortet unter anderem den gesamten laufenden Haushalt mit einem Volumen von rund 126 Millionen Euro. Der Haushalt wird bereits jährlich veröffentlicht.
Die aktuelle Meldung finden Sie hier: http://www.bistum-passau.de/aktuelle-meldungen/5/4/2016/dioezesanhaushalt-2016

Den Finanzmitteln der Diözese stehen neben dem laufenden Haushalt weitere wichtige Verpflichtungen gegenüber. Dazu gehören neben den gesetzlich geforderten Rückstellungen zusätzliche Rücklagen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen in Höhe von 51 Millionen Euro. „Wir haben hier Rücklagen gebildet, weil wir Vorsorge treffen wollen für die Zukunft. Und auch Risiken mit entsprechenden Rücklagen abdecken wollen“, erklärt Finanzdirektor Sonnleitner. Unter anderem haftet die Diözese mit einem Volumen von rund 150 Millionen Euro für die Zusatzversorgung aller Beschäftigten im caritativen Bereich. Eine weitere große Verpflichtung geht die Diözese gegenüber den Pfarrkirchenstiftungen ein. „Wir haben für die Pfarrkirchenstiftungen mittlerweile rund 51 Millionen Euro zweckgebunden zurückgelegt, um die Pfarreien für die Bestreitung des laufenden Haushaltes zu unterstützen“, so Sonnleitner. Die Diözese sieht sich auch bei Baumaßnahmen in den Pfarreien in hoher Verpflichtung. „Für bereits zugesagte Bauzuschüsse in den Pfarreien hat die Diözese daher rund 25,3 Millionen Euro zurückgelegt.“

 

 

 
 


 

 

Emeritenanstalt

Die Emeritenanstalt ist für die Versorgung der Geistlichen verantwortlich. Auf Basis eines versicherungsmathematischen Gutachtens der Versicherungskammer Bayern wurde ein zweckgebundenes Vermögen von 114,4 Millionen Euro gebildet. Dieser Betrag dient der Versorgung der Geistlichen. Diese Versorgung ist – anders als beim Staat – kapitalgedeckt. Dadurch ist in bestem Sinne Generationengerechtigkeit sichergestellt. Derzeit sind 264 Priester Mitglieder der Emeritenanstalt.
 

Domkapitel

Das Domkapitel in Passau verfügt über ein Eigenkapital in Höhe von rund 257.000 Euro.

 

 

 

 

 

Zusätzliche Informationen:

Neben den vier oben genannten Rechtsträgern und den nach Handelsgesetzbuch (HGB) veröffentlichten Jahresabschlüssen, werden sukzessive die Bischöflichen Stiftungen auf den Rechnungslegungsstandard nach HGB umgestellt. Daneben bestehen rechtlich selbständig 285 Pfarrkirchenstiftungen, 20 Expositurkirchenstiftungen sowie mehrere hundert zum Teil kleinste Pfründestiftungen sowie Benefizien. Bei den Pfarrkirchenstiftungen handelt es sich im Wesentlichen um Kirchen und Pfarrheime, bei den Pfründestiftungen sind dies Pfarrhöfe sowie Grundstücke. Die Erträge der Pfründestiftungen und Benefizien waren ursprünglich dazu gedacht, den Unterhalt des Ortsgeistlichen sicherzustellen. Da diese Aufgabe die Diözese übernommen hat, fließen die Erträge aus der Verwaltung aller Pfründe und Benefizien in den Haushalt der Diözese ein. Entsprechend dem Stiftungsrecht ist das Pfründevermögen zu erhalten, da es zweckgebunden ist. Die Grundstücksflächen sind nachfolgend dargestellt (siehe Diagramm: Angabe in ha; Anzahl der Flurnummern in Klammern). Eine Bewertung erfolgt zum späteren Zeitpunkt.

 


 

 

 

Gewerblich tätige Einheiten

Im Bistum Passau gibt es darüber hinaus zwei gewerblich tätige Einheiten, die im Wettbewerb stehen. Die Brauerei Hacklberg und das Katholische Wohnbauwerk, die beide ihre Zahlen nach gesetzlichen Vorgaben veröffentlichen.

Die aktuellen Zahlen im Bistum Passau

Derzeit leben 473784 Katholiken in 86 Pfarrverbänden. Diese sind gebildet aus 285 Pfarreien und 20 Exposituren. Knapp 50 Prozent der 285 Pfarreien im Bistum haben weniger als 1000 Katholiken. Die Diözese Passau mit einer Fläche von 5442 Quadratkilometern ist durchweg ländlich strukturiert; auch geografisch bedingt gibt es im Bistum viele kleine Pfarreien. Nur in drei Städten gibt es Pfarrverbände mit über 10.000 Gläubigen: Hauzenberg, Pfarrkirchen, Burghausen.
Aktuell sind in der Diözese 358 Priester und 39 ständige Diakone tätig. Von den 358 Priestern sind 114 bereits im Ruhestand, helfen aber nach Kräften mit.
Es gibt 22 Schulen in kirchlicher Trägerschaft und 200 Kindergärten/ - horte. In 35 katholischen Verbänden organisieren sich die Gläubigen. Rund 500 Frauen und Männer leben in einem Orden oder einer religiösen Gemeinschaft.