
Man sieht sie schon von Weitem und aus allen Richtungen: die Pfarrkirche St. Anton. Auf dem Bergrücken über der Stadt ist sie seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts Symbol und Zentrum des Pfarrverbands Passau-St. Anton. Am vergangenen Sonntag feierte die Pfarrgemeinde nun einen Ehrentag. Vor 100 Jahren wurde die Kirche vom damaligen Passauer Bischof Sigismund Felix geweiht. Dieses Jubiläum beging die Pfarrei mit einem Festgottesdienst.
„Das Wetter am Konsekrationstag früh war trüb, allmählich hellte es sich auf, die Straßen und Gebäude in der Umgebung der Kirche waren geschmückt, vom Kirchturm wehte die rotweiße Kirchenfahne“, so heißt es in der Pfarrchronik von Pfarrer Franz Paul Maidl über den Tag der Weihe am 7. Oktober 1923. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche fast vollends fertiggestellt. Im halben Jahr zuvor habe die Pfarrgemeinde tatkräftig bei der Gestaltung der Inneneinrichtung mitgewirkt, schrieb die Donau-Zeitung. So sei der Tag der Konsekration ein „Freudentag“ für alle gewesen, an dem sie die Früchte ihrer Arbeit ernten konnten. Die Pfarrkirche St. Anton sollte sich in erster Linie in die Landschaft der Stadt, sowie in ihre barocke Tradition einfügen. Stilistisch orientiert sie sich daher an den drei größten Kirchen der Stadt, dem Dom, der Jesuitenkirche und der Stadtpfarrkirche St. Paul. Eine Vielzahl an Architekten, Künstlern und Handwerkern war ab der Grundsteinlegung im Mai 1909 am Bau der Kirche beteiligt. Deren Arbeit endete mit der Kirchweihe jedoch nicht abrupt. „Im wesentlichen erledigt“ sei laut Franz Paul Maidl der Kirchenbau letztlich erst 1938 gewesen, nachdem auch der Kirchplatz gepflastert war.
Seitdem sind die Umbau- und Erhaltungsmaßnahmen nie abgerissen. Nach dem zweiten Weltkrieg galt es zunächst, durch Fliegerangriffe entstandene Schäden zu beseitigen. In den Jahren nach 1967 folgte dann der erste größere Umbau, der einerseits – wie damals üblich – eine deutliche „Ernüchterung“ des Innenraums und andererseits die heute noch bestehende Anordnung der Bänke im Oval mit sich brachte. Die Freude über den modernen Kirchenraum hielt jedoch in der Pfarrgemeinde nicht lange an, weshalb in den 90er-Jahren unter dem Motto „Tradition wahren und Neues wagen“ eine weitere Renovierung auf dem Plan stand, bei der die ursprüngliche Gestaltung des Innenraums mit neuen Elementen kombiniert werden sollte. Dieses Grundkonzept ist bis heute geblieben. 2016 folgte eine weitere, diesmal unfreiwillige, Renovierung, nachdem Vandalen die Kirche verwüsteten und ein Feuer am Altar legten.
„Gott ist in unserer Mitte!”
Die Weihe selbst war 1923 eingerahmt in eine aufwändige Zeremonie. Der Bischof umschritt die Kirche, weihte die Mauern ebenso wie den Innenraum und salbte den Altar sowie bestimmte Stellen der Kirchenwände. Imposant sei zudem die Überführung der Reliquien des hl. Luzidianus und der hl. Jucundina von der Kapelle des Josefsheims zum Hochaltar der Pfarrkirche gewesen, hieß es in der Donau-Zeitung. Das anschließende Pontifikalamt sei schließlich der Höhepunkt gewesen. Das Resümee des damaligen Pfarrers Maidl fiel rundum positiv aus: „Die große Assistenz, die Würde und die Getragenheit, mit der die heiligen Handlungen verrichtet wurden, der Chorgesang, vermischt mit den Klängen der neuen Orgel, schließlich das gewaltige himmelstürmende Te Deum, das alles macht auf die dichtgedrängte Schar der Teilnehmer einen dauernden Eindruck.“
Einen Freudentag wie diesen wünschte sich im Vorfeld der Feierlichkeiten auch Domkapitular Dr. Anton Spreitzer, seit 2022 Pfarrer im Pfarrverband. Besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Situation der Kirche tue ein Jubiläum wie dieses richtig gut. Die Pfarrgemeinde begehe das Fest nicht nur mit einem dankbaren Blick zurück in die Vergangenheit, sondern insbesondere als einen Tag der Zuversicht. Denn: „Wir sind als Kirche einem riesigen Erbe verpflichtet – in geistlicher, kultureller, politischer und ideeller Hinsicht –, das es auch heute und in Zukunft braucht, damit die Welt ein guter Ort für möglichst alle Menschen sein kann; damit Reich Gottes werde. Denn wir verkünden – und unsere Kirchengebäude machen das sinnfällig: Gott ist in unserer Mitte!“
100 Jahre St. Anton - Das Kirchweihjubiläum
Gläubige aus dem ganzen Pfarrverband haben den 100. Jahrestag der Weihe der Pfarrkirche St. Anton Passau am Sonntag, 22. Oktober 2023 bei strahlendem Herbstwetter mitgefeiert. Domdekan Hans Bauernfeind hat den Festgottesdienst zelebriert, zu dem Pfarrer Anton Spreitzer eingeladen hatte. Hier finden Sie den ausführlichen Bericht mit Impressionen: