
In den Exerzitien im Alltag nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihre Beziehung zu Gott, um immer offener zu werden für ihn in Ihrem ganz konkreten, persönlichen Leben. Exerzitien im Alltag sind eine besondere Zeit, die gestaltet sein will. Machen Sie Erfahrungen, was zu Ihnen und Ihrem Alltag passt, finden Sie eine Balance zwischen Selbstdisziplin und Gelassenheit.
gerufen sein – mutig handeln

Gott,
öffne mein Ohr,
damit ich dich in der Welt höre,
öffne meinen Verstand,
damit ich unter den vielen Stimmen
die deine erkenne,
öffne mein Herz,
damit ich deine Liebe annehme,
öffne mich für dich,
damit ich dir Antwort gebe.
1. Impuls: Hören in der Stille
Ich nehme meinen Platz ein. Ich atme tief durch.
„Gott, ich bin da. Du bist da. Es ist gut.“
Beten ist Hören
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich ein noch größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden:
ich lernte aber,
dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern H ö r e n.
Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
beten heißt still werden und still sein
und warten, bis der Betende Gott hört.
Sören Kierkegaard
Am Beginn meines Lebens steht sein Ruf: Er ruft mich ins Leben. Er will mich!
Er will mich mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinem Mut und meiner Verzagtheit. Er ruft mich zur Freude und zur Liebe. Gott ruft jeden Menschen persönlich. Gerufen sein bedeutet zu allererst angesprochen zu werden. Da ist einer, der von mir weiß, dem ich wichtig bin, der will, dass es mir gut geht. Um Gottes Ruf wahrzunehmen, bedarf es der Stille.
Für den Tag
Heute suche ich bewusst die Stille.
Gebet
Gott, Du rufst mich.
Du willst, dass es mir gut geht und dass ich auflebe.
Öffne meine Ohren, damit ich Dich in den Situationen des Alltags hören kann.
2. Impuls: Sein Ruf in meinem Leben
Ich nehme meinen Platz ein. Ich atme tief durch.
„Gott, ich bin da. Du bist da. Es ist gut.“
Hab nur Mut, steh auf, ER ruft dich!
Mk 10,49
Bartimäus, ein blinder Mann – von allen Menschen verachtet – sitzt hilflos am Stadttor von Jericho. Als Jesus in die Stadt kommt und Bartimäus seine Nähe spürt, ruft er Jesus in der Hoffnung, von ihm Hilfe zu erfahren. Als Jesus Bartimäus zu sich rufen lässt, nimmt dieser all seinen Mut zusammen, steht auf und geht zu Jesus. Und wahrlich: Jesus hilft ihm! ER hat seinen Ruf gehört.
Bartimäus ruft und lässt sich rufen.
Ich rufe mir Situationen meines Lebens in Erinnerung.
Wann habe ich Gott gerufen?
Wo habe ich erfahren, Gott ruft mich?
Was hat sich dadurch in meinem Leben verändert?
Ich kann ein Bild meines Lebensweges gestalten und diese Stellen besonders hervorheben.
Für den Tag
Heute lasse ich mich von IHM rufen.
Gebet
Gott,
deinen Ruf in meinem Leben,
hören,
wahrnehmen,
annehmen,
leben.
Amen.
3. Impuls: Rückenwind
Ich nehme meinen Platz ein. Ich atme tief durch.
„Gott, ich bin da. Du bist da. Es ist gut.“
Rückenwind
Du bist der Herr, der mein Haupt erhebt,
Du bist die Kraft, die mein Herz belebt.
Du bist die Stimme, die mich ruft,
Du gibst mir Rückenwind.
Du flößt mir Vertrauen ein, treibst meine Ängste aus,
Du glaubst an mich, traust mir was zu, forderst mich heraus.
Deine Liebe ist ein Wasserfall auf meinen Wüstensand.
Und wenn ich mir nicht sicher bin, führt mich Deine Hand.
Wind des Herrn, weh in meinem Leben,
Geist des Herrn, fach das Feuer an,
Wind des Herrn, hast mir Kraft gegeben,
Geist des Herrn, sei mein Rückenwind
Melodie und einen Link um das Lied anhören finden Sie auf S. 44
Welche Zeile des Liedes spricht mich besonders an? Wann habe ich selbst die Erfahrung gemacht: „Rückenwind“ und dadurch Stärkung zu bekommen?
Wo erbitte ich „Rückenwind“ vom Geist des Herrn?
Ich schreibe selbst weitere Strophen mit meinen eigenen Bildern:
Du bist … Geist des Herrn …
Für den Tag
Wo erfahre ich „Rückenwind“ durch Gottes Kraft – und wo bitte ich darum?
Gebet
Guter Gott, Deine Liebe wärmt und entzündet,
Deine Stimme ruft und ermutigt,
Dein Geist fordert heraus und stärkt –
Lass mich das erfahren!
4. Impuls: Ermutigung
Ich nehme meinen Platz ein. Ich atme tief durch.
„Gott, ich bin da. Du bist da. Es ist gut.“
Mut – Ermutigung — Zumutung – Unmut — Mutlosigkeit
Wo finde ich mich wieder?
Wann bin ich mutig?
Wo brauche ich besonderen Mut oder eine Ermutigung?
Wie könnte diese aussehen?
Was ist für mich zur Zeit eine Zumutung?
Worüber spüre ich Unmut oder Mutlosigkeit?
All das darf ich ehrlich und mutig Gott erzählen, für manches danken, aber auch
anklagen und bitten.
Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Jes 35,4
Ich lasse mir die Bibelstelle zusagen.
Sie gilt mir! Ich lasse die Zusage in mir wirken.
Für den Tag
Heute nehme ich bewusst wahr, wo ich ermutigt werde
oder jemand meine Ermutigung braucht.
Gebet
Gott, Du großer Mutmacher,
die ganze Bibel erzählt von Deinen mutmachenden Zusagen.
Du willst uns Mut, Zuversicht und Kraft schenken für ein beherztes
und frohes Leben.
Hilf mir, dass ich dies immer mehr glauben und leben kann.
Liedvorschläge
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Tagesrückblick
Einmal am Tag, vielleicht am Abend, nehme ich mir Zeit, um auf meinen Tag zurückzuschauen. Alles, was ich erlebt, gehört, getan und erfahren habe, bringe ich vor Gott und darf es zusammen mit seinem liebenden Blick anschauen. Es geht um mich, um Gott und um meine Lebensgestaltung gemeinsam mit ihm.
Innehalten
Durch- und Aufatmen: Ich habe Zeit!
Ich bin da. Gott ist da, mit mir.
Wahrnehmen
Ich schaue auf den Tag: Was nehme ich wahr?
Ich lasse kommen, was an Erinnerungen, Ereignissen,
Gedanken, Empfindungen … da ist.
Ich verweile, wo mich etwas berührt, beschäftigt, aufwühlt ….
Danken
Was hat mir gut getan?
Wo habe ich Ermutigung, Trost, Hoffnung gespürt?
Wodurch wurde ich beschenkt?
Versöhnen
Wo habe ich Misstrauen, Angst, Entmutigung gespürt?
Was will sich in mir ordnen, versöhnen, befreien?
Ich bitte Gott um seinen Beistand.
Bitten, danken, klagen, loben
Ich bringe vor Gott, was jetzt in mir da ist.
Wie mit einem guten Freund, einer guten Freundin, darf
ich mit ihm reden.
Vorausschauen
Ich schaue auf das, was (morgen) vor mir liegt
und bitte Gott um Kraft, Mut, Beistand, seine Begleitung.
Beenden
Mit einer Geste, einem Vaterunser oder Kreuzzeichen,
beende ich den Tagesrückblick.