
Seit dem ersten Lockdown, Mitte März 2020, werden die Gottesdienste aus Feichten live auf dem Youtube-Kanal des Pfarrverbandes Feichten übertragen. Pfarrer Michael Witti begrüßt seitdem die virtuelle Gemeinde und die Besucher vor Ort zur „Messe der Ausgeschlafenen“ jeden Sonntag pünktlich um 11.30 Uhr - auch an den Adventssonntagen und über Weihnachten.
„Die Menschen dürfen sich per email oder auf dem Postweg melden und davon nehmen viele diese Angebote in Gebrauch. „Auch einige Tage nach einem Gottesdienst melden sich die Menschen gerne einmal per Telefon oder auf den sozialen Kanälen, auf denen der Pfarrverband vertreten ist. Es melden sich immer wieder Zuschauer aus dem fernen Texas,“ weiß Witti zu berichten.
Begonnen hat es damit, dass Pfarrer Michael Witti in den Anfangszeiten der Pandemie den Menschen zuhause ein religiöses Angebot quasi „frei Haus“ liefern wollte, wenn schon ein Besuch der Kirche nicht möglich war. Anfangs waren es noch richtige Geistergottesdienste, ohne Besucher im Raum. Einzig der Organist durfte weit entfernt in der Orgelempore die Kirchenlieder spielen.
Damals war alles noch ein bisschen provisorisch. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und aus einer „netten Lösung“ wie es betitelte wurde, eine Erfolgsgeschichte. Anfangs haderte Witti noch mit der Technik, heute genießt er die ausgefeilte Möglichkeit, die ihm seit dem ersten Advent 2020, genau seit einem Jahr das Regionalfernsehen Oberbayern (RFO) bietet. Dabei kann er sich während des Gottesdienstes mit dem kaum sichtbaren Smartphone in der Hand als Kameramann, Regisseur und Tontechniker betätigen. Eine Stunde lang wird nicht nur auf dem Kanal des RFO, sondern auch weiterhin auf dem Youtube-Kanal gesendet. Das Ende ist derzeit offen.
Nicht nur für Witti, sondern auch Organisten, Ministranten, Kantor, Chor und Ordner ist es ein Mehraufwand. „Die vielen Rückmeldungen bestärken mich darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, ist er sich sicher. Zusätzlich zum 11.30 Uhr-Gottesdienst wurden aber auch schon Erstkommunionen und besondere Gottesdienste zu Ostern und Weihnachten übertragen. „Es sollen die Menschen, die nicht herkommen können oder wollen, die wegen der Hygieneauflagen nicht immer Platz finden, die Möglichkeit haben, wenigstens vor dem Bildschirm dabei sein zu können“.
Dabei hören die Zuhörer vor und hinter den Bildschirmen immer eine besondere Botschaft vom „Bodenpersonal“, wie sich Witti oftmals gern selbst bezeichnet. Norbert Haimerl, Chef des RFO, freut sich, dass das Angebot angenommen wird. Eine Einschaltquote kann er jedoch nicht nennen. Witti und Haimerl schätzen die Zuschauerzahl auf etwa 15 – 20 000 pro Gottesdienst. „Allein bei der Firmung, die vor kurzem stattfand, haben 1000 Personen allein auf dem Youtube-Kanal zugeschaut. Es werden immer mehr. Es kommen inzwischen auch viele Menschen aus bis zu 150 Kilometer her, um live dabei zu sein“, freut er sich. „Es ist ein Angebot, dass wir bisher nicht im Programm hatten, vielleicht hat uns genau dies gefehlt“, gibt Haimerl, der sich in bei diesem Angebot als „Gepäckabfertigung“ bezeichnet, gerne zu.