
In Passau wurde am Abend an die Altöttinger Gnadenbildflucht vor 100 Jahren erinnert. Vom Kloster Niedernburg aus startete eine feierliche Prozession mit dem Gnadenbild in den Dom St. Stephan, wo Bischof Stefan Oster SDB mit vielen Gläubigen eine Maiandacht feierte.
Vor hundert Jahren: 1919 war Bayern ein Unruheherd und Schauplatz der Nachkriegswirren. Der erste Weltkrieg war gerade erst zu Ende, Elend, Not und Unsicherheit in der Bevölkerung waren groß. Das führte zu vielen politischen Strömungen, auf der Suche nach einer neuen Staatsform. Die Neugestaltung in Bayern setzten sich viele extreme und auch radikale Gruppierungen auf ihre Agenda. Die sogenannten Spartakusgruppen sorgten deshalb für große Angst in der Bevölkerung. Die Furcht vor ihnen war so groß, dass vor allem in kirchennahen Kreisen auch die Sorge um das Altöttinger Gnadenbild wuchs. In der Nacht vom 24. auf 25. April 1919 wurde es schließlich in Sicherheit gebracht. Eingewickelt in einfaches Packpapier, trat es seine abenteuerliche Flucht durch das ganze Bistum bis nach Passau an. Erster Zufluchtsort in Passau war damals das Kloster Niedernburg, die Schwestern des Klosters nahmen das Gnadenbild in ihre Obhut.
In Niedernburg war auch der Startpunkt der heutigen Gedenkfeierlichkeiten in Passau. Nach Eintreffen der Ehrengäste aus Altötting und des Gnadenbildes, wurde zunächst eine Statio in der Klosterkirche Niederburg abgehalten.
„Das Gnadenbild hier in Passau zu haben ist etwas ganz Besonderes und auch es in der Prozession tragen zu dürfen. Es ist ein Bild, das Menschen über Jahrhunderte lang verehrt haben, sie haben ihre Hoffnungen hierhin getragen. Es ist auch etwas Besonderes, weil Altötting so ein bedeutender Ort ist. Und wenn wir ihr Bild heute hier im Dom haben, dann ist das großartig.”
Eine feierliche Prozession führte das Domkapitel, Bischof Stefan mit dem Altöttinger Gnadenbild und viele Gläubige, durch die Passauer Altstadt in Richtung Dom.
Am 10. Mai 1919, wurde das Gnadenbild vom damaligen Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf vom Kloster Niederburg in den Dom gebracht. Insgesamt 32 Tage blieb es dann dort und löste einen Ansturm von Gläubigen im Dom aus, sie alle kamen um das Gnadenbild zu verehren. Wallfahrtszüge aus dem ganzen Bistum kamen nach Passau.
Im Dom St. Stephan wurde heute dann Maiandacht gefeiert. Bischof Stefan erinnerte zu Beginn des Gottesdienstes an seinen Bischofsvorgänger vor 100 Jahren. Dieser hielt 1919 eine Predigt über die schwierigen, unruhigen Zeiten, nach dem ersten Weltkrieg. Und wir befinden uns 100 Jahre später auch in Zeiten des Umbruchs, so Bischof Oster.
„Wir leben in Zeiten in denen wir spüren, dass viele Unsicherheiten bei den Menschen da sind, viele Umbrüche da sind. Auch in der Kirche, nicht nur in der Welt. Und wir glauben, wer sich an die Mutter des Herrn hält und mit ihr zusammen auf den Herrn schaut, der ist auf der sicheren Seite.”
Hier können Sie die Predigt von Bischof Stefan in voller Länge und einen Radiobeitrag hören:
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
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Ausklang der Gedenkfeierlichkeiten an 100 Jahre Altöttinger Gnadenbildflucht war dann ein Empfang im Dominnenhof.
Nach den 32 Tagen im Jahr 1919 im Passauer Stephansdom wurde das Gnadenbild dann in einem festlichen Zug wieder nach Altötting zurückgeführt.
In Altötting wird morgen, am 31. Mai, der Heimkehr des Gnadenbildes vor 100 Jahren gedacht. Um 20 Uhr findet die letzte Maiandacht im Franziskushaus statt. Mit einer feierlichen Lichterprozession mit Bischof Dr. Stefan Oster wird das Gnadenbild dann zur Gnadenkapelle geleitet.
Ausführliche Informationen zur Altöttinger Gnadenbildflucht, mit Interviews und historischen Fotographien, finden Sie hier: