
Der Apostel Thomas zweifelt, dass Jesus auferstanden ist, das Zeugnis seiner Mitbrüder reicht ihm nicht. Wie sieht es heute aus mit Glaube und Zweifel? Kapuzinerbruder Michael Masseo hat sich umgehört – auch unter Mitbrüdern im Kloster.
Der Kollege in der Geflüchtetenarbeit schaut mich ratlos an. Er wirkt sehr überrascht.„Zweifel an Gottes Existenz?“, wiederholt er meine Frage, fast in Zeitlupe, und denkt nach. Er stammt aus Afghanistan, ist gläubiger Muslim. Gerade sind wir zusammen mit ein paar weiteren Kollegen im Aufenthaltsraum einer Geflüchtetenunterkunft, einen Tee oder Kaffee in der Hand.
„Michael, schau doch in den Spiegel“, setzt er nun an.„Wir Menschen sind doch ein Wunderwerk Gottes, wie können wir da an seiner Existenz zweifeln?“ Wir schauen gemeinsam in den Spiegel. Er führt meinen Finger und schwärmt:„Du hast zwei Augen, mit denen Du sehen kannst. Du hast zwei Ohren, mit denen Du hören kannst. Du hast eine Nase, mit der Du riechen kannst. Das ist ganz wunderbar geschaffen, das kann nicht aus Zufall entstehen.“