
Seit dem 24. Februar wird in der Ukraine gekämpft: Menschen sterben, Väter sind von den Familienangehörigen getrennt, ziehen in den Krieg um das Vaterland zu verteidigen, Mütter mit Kindern sind auf der Flucht. Eine Studentin aus Passau erzählt uns über den Krieg in ihrem Heimatland, der Ukraine.
Olga Soroka ist 25 Jahre jung und kommt aus der Ukraine. Sie studiert seit 4 Jahren in Passau, macht jetzt ihren Master. Wie sie die Nachricht vom Krieg in ihrem Heimatland aufgenommen hat, wie es ihr und ihrer Familie, Verwandten und Freunden geht, das erzählt sie in der Radiosendung „Mensch‘n & G‘schicht’n“ des Bistums Passau bei unserRadio.
Ihnen entgeht ein toller Beitrag!
Weite Teile des Landes, vor allem die großen und strategisch wichtigen Städte, sind mittlerweile teils völlig zerstört. Ein schnelles „zurück in die Ukraine“ rückt gerade für viele Geflüchtete in Anbetracht der traurigen Realität in weite Ferne. Das wird klar, wenn man die schrecklichen Bilder der Zerstörung, des Todes, dieses Kriegs ansehen muss. Mit Schrecken schaut die Studentin Olga Soroka die täglichen Nachrichten. Das Land war im Aufschwung, erzählt sie. Bei den Besuchen daheim, habe sie immer wieder Fortschritte im eigenen Land gesehen, sie dachte über die eigene Zukunft im Heimatland nach, wenn sie ihr Studium beendet hat. Diese Ziele und Träume wurden durch den Angriffskrieg durch Russland jäh zerstört.
„Ich mag den Frühling. Putin hat meinen Frühling gestohlen”
Olgas Mutter gelang die Flucht aus der Ukraine, sie ist mittlerweile in Deutschland, in Passau angekommen. Sie ist jetzt am Domplatz, im Priesterseminar, ein Glück. Tochter Olga organisiert unterdessen die Hilfe vor Ort. Sie übersetzt für die Geflüchteten, die jetzt am Domplatz im Priesterseminar und im Barbarahaus wohnen. Sie unterstützt bei Fragen, Behördengängen, den kleinen und großen Dingen, was immer es ist. In den ersten Tagen des Krieges stand sie förmlich unter Schock, sagt sie, konnte nur schlecht schlafen, vergaß zu essen. Der Ausnahmezustand im Heimatland, die ständige Sorge um Familie und Angehörige war kaum auszuhalten. Ihr Telefon klingelt auch jetzt, über vier Wochen nach Ausbruch des Krieges ständig, weil sie überall gebraucht wird. Eigentlich hat sie bereits zwei Jobs an der Uni Passau, mit denen sie auch ihren Lebensunterhalt bestreitet. Jetzt sind zwei weitere hinzugekommen, immer in Verbindung mit der Unterstützung von Geflüchteten aus der Ukraine. Zum einen ist an der Uni eine Koordinationsstelle eingerichtet worden, wo Olga mitarbeitet, zum anderen ist sie jetzt noch zusätzlich bei der Caritas aktiv.
„Ich wünsche mir, dass ich meine Mutter nicht mehr weinen sehen muss”
Und das wünscht sich Olga: „Ich wünsche mir, dass wieder Frieden herrscht. Ich wünsche mir, dass ich einfach so nach Hause zurückkehren könnte, dass ich meine Mutter nicht mehr weinen sehen muss. Ich will wieder morgens aufwachen, ohne völlig gestresst alle Chats zu kontrollieren, ob etwas Schlimmes passiert ist, mein Leben wieder genießen. Ich mag den Frühling. Putin hat meinen Frühling gestohlen. Ich wünsche mir, dass ich alle meine Freunde wieder lebendig sehen kann…und dass dieser Krieg bald vorbei ist, das ist das Wichtigste.“