Dass sich an weiblichen Knien ein konfessioneller Familienstreit von grundlegender kulinarischer Güte entzünden kann, mag der wohlgeneigten Leserschaft im Land zwischen Rott, Inn und Donau doch eher wie ein Witz vorkommen. Dass es bei Familien mit oberfränkischen Wurzeln wie der meinen aber durchaus in der Kirchweihzeit zu sehr handfesten, ja rustikalen Taxierungen körperlicher Vorzüge durch Altvordere kommen kann, ist für den Menschenschlag zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge das normalste von der Welt, der Kerwawelt möchte man fast sagen. Um es abzukürzen: Ich habe evangelische Knie, groß, fest, derb und somit ideal fürs Küchelziehen. Sagten meine Großtanten, die beide doch eher mit den recht katholischen Gelenkanteilen ihrer Rupertigauer Vorfahren gesegnet waren, und an Kirchweih demzufolge nur Zwetschenbavesen kredenzten, die südbayerische Variante der„Armen Ritter”, gefüllt mit Powidl, serviert mit viel Zimt und Zucker und einer dicken Vanillesauce. Und einem starken Kaffee, und einem noch stärkeren Safranlikör zwecks der Fettverbrennung.