
Die Stadtpfarrei Sankt Paul hat ihr Patrozinium, den Namenstag der Kirche gefeiert. Der Vorabendgottesdienst wurde von Max Jäger, Marita Lang und Barbara Schreiner mit einer ansprechenden Messe von Michael Haller kirchenmusikalisch eindrucksvoll gestaltet.
Pfarrer Dr. Michael Bär legte in seiner Predigt dar, dass die beiden Völkerapostel Petrus und Paulus, Jesus-Fans waren. Das aus dem Lateinischen stammende Wort „fanaticus“ bedeutet so viel wie „vom Göttlichen ergriffen“. Von Jesus ergriffen verbreiteten die Apostel seine Frohe Botschaft in der gesamten damals bekannten Welt. Das ist auch der Auftrag für die Jesus-Fans heute.
Der Völkerapostel Paulus wurde schon im Hochmittelalter zur Erbauungszeit der ersten, im romanischen Stil errichteten Kirche zum Schutzpatron des Gebäudes und der dazugehörigen Gemeinde. Weshalb die Namenswahl auf Paulus fiel lässt sich nicht mehr eindeutig beantworten. Die Nähe zur Kathedrale des Heiligen Stephanus, die nur 200 Meter Luftlinie entfernt ist, lässt vermuten, dass Paulus – damals noch Saulus genannt — aufgrund seiner Anwesenheit beim Märtyrertod des Erzdiakons Stephanus Namensgeber wurde. Interessant ist auch die Parallele zu Rom, wo die Grabeskirche des Heiligen Paulus außerhalb der Mauer liegt (San Paolo fuori le mura) und auch der Ursprungsbau von Sankt Paul in Passau unmittelbar an bzw. über dem Westtor der Stadtmauer errichtet wurde.
Sankt Paul war im Gegensatz zum Dom, der für den fürstbischöflichen Hofstaat reserviert war, das Gotteshaus der Bürger. Die älteste heute noch existierende Bürgervereinigung der Welt, die Lamplbruderschaft, hat in Sankt Paul nach dem verheerenden Stadtbrand in der neu erbauten Barockkirche einen Seitenaltar gestiftet und ihrem Patron, dem Schutzherrn der Kaufleute und Wohltäter der Armen, dem Heiligen Nikolaus gewidmet.
Text: Dompropst Dr. Michael Bär