
Coronabedingt haben am Freitag in Berlin, Dortmund, Frankfurt a. M., Ludwigshafen und München Regionenkonferenzen des Synodalen Weges stattgefunden. Statt der zunächst in Frankfurt a. M. vorgesehenen Synodalversammlung mit mehr als 230 Teilnehmern hatten sich die Mitglieder der Synodalversammlung sowie Beraterinnen und Berater mehrerer Foren auf die fünf Städte aufgeteilt. Passaus Bischof Stefan Oster tagte in München.
Bischof Dr. Stefan Oster SDB, Diözesanratsvorsitzender Markus Biber und Pfarrer Christian Kriegbaum haben für Passau an der Regionenkonferenz des Synodalen Wegs in München teilgenommen. Zunächst stand auch hier die Frage im Mittelpunkt, was die Corona-Pandemie für das kirchliche Leben bedeutet. „Dabei ist deutlich geworden, dass wir große Herausforderungen hatten und haben, aber auch, dass viel Gutes und Kreatives entstanden ist, vor allem medial aber z.B. auch durch die Wiederentdeckung der Hauskirche. Oder durch großes Engagement für Menschen, die nicht aus dem Haus konnten“, so Bischof Stefan Oster nach der Regionenkonferenz. Auf dem Programm standen auch die Themen „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und die „Sexualmoral“. „Diese Debatten waren kontrovers, aber ich habe sie als sehr offen und ehrlich erlebt. Die Beteiligten haben wirklich einander zugehört, oft wurde es auch sehr persönlich und zeugnishaft. Ich habe auch gespürt, dass der Wunsch, Brücken zueinander zu finden, groß ist. Ich hoffe deshalb sehr, dass der Weg ein Ende findet, mit dem möglichst alle gut leben können.”
„Ich habe auch gespürt, dass der Wunsch, Brücken zueinander zu finden, groß ist.”
Zwischenschritt und Vertiefung
„Die Corona-Pandemie hat es unmöglich gemacht, dass wir uns als Synodalversammlung wieder
wie Anfang des Jahres alle gemeinsam treffen und miteinander sprechen. Manches ist so
komplizierter geworden. Und doch ist dieser coronabedingte Zwischenschritt in unmittelbarer
Begegnung eine echte Chance: Der Begriff des Hearings ist ernst gemeint. Wir wollen einander
zuhören — das geht mit gut 50 Teilnehmenden pro Saal besser als mit 230. Für die oder den
Einzelnen ist mehr Zeit da, einen Gedanken zu entwickeln. Das Argument zählt, nicht
Mehrheiten. So kann dieser Zwischenschritt vielleicht zu einer Vertiefung führen, die dem
Prozess und uns allen guttut“, sagte für das Präsidium des Synodalen Weges in München der
Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, P. Dr. Hans Langendörfer SJ.
„So kann dieser Zwischenschritt vielleicht zu einer Vertiefung führen, die dem Prozess und uns allen guttut”
Diese Debatten und das Hearing konzentrierten sich zunächst auf die Frage, welche
Herausforderungen die Corona-Pandemie für den Synodalen Weg bedeutet. Bischof Georg
Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Synodalen Weges,
betonte in Frankfurt a. M., dass die Pandemie aktuelle Fragen an die Kirche gestellt hätte, die
es in den kommenden Monaten zu beantworten gelte: „Was bedeutet es, wenn das Leben so
gefährdet ist? Was sagt uns Gott in dieser Zeit? Was brauchen wir?“ Ihm gehe es darum, mit dem
Synodalen Weg Charismen freizusetzen und ihnen einen Platz in der Kirche zu vermitteln.
„Entbindung, Freisetzung und Stärkung der Charismen in der Kirche, das brauchen wir jetzt“,
so Bischof Bätzing.
„Was bedeutet es, wenn das Leben so gefährdet ist? Was sagt uns Gott in dieser Zeit? Was brauchen wir?”
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Präsident des Synodalen
Weges, Prof. Dr. Thomas Sternberg, würdigte den heutigen wichtigen weiteren Schritt des
Synodalen Weges: „Wir haben in Dortmund einen kritisch-selbstkritischen Austausch an
sachlichen Argumenten und persönlichen Erfahrungen erlebt zu den zwei ersten Arbeitspapieren
und Corona. Die Pandemie stellt grundsätzliche Fragen – gesellschaftlich und kirchlich. Ich bin
froh, dass wir heute die Regionenkonferenzen für Feedback und Hearing nutzen können. Es ist
deutlich geworden: Der Synodale Weg geht erfolgreich weiter, der gute Geist von Frankfurt
lebt.“
„Es ist deutlich geworden: Der Synodale Weg geht erfolgreich weiter”
Synodalen Weges, Karin Kortmann, in Berlin: „Das Hearing hat noch einmal wichtige Impulse
gegeben, über die schon bestehenden kirchenrechtlichen Handlungsspielräume hinaus neue
Wege zu einer geschwisterlichen Kirche zu gehen.“ Insbesondere bei der Frauenfrage werde sich
die Zukunft der Kirche entscheiden. „Dabei fühlen wir uns von Papst Franziskus ermutigt, der
bei der Amazonas-Synode Frauen eine wichtige Rolle attestiert hat. Ich hoffe, dass wir schon
bald die Gelegenheit haben werden, in Rom über den Synodalen Weg zu sprechen. Denn nicht
alle Themen dieses Weges werden sich allein in der deutschen Ortskirche umsetzen lassen.“
Der Osnabrücker Bischof und Vizepräsident des Synodalen Weges, Bischof Dr. Franz-Josef Bode,
sagte in Ludwigshafen: „Wir haben hier in einer wohlwollenden und konstruktiven Atmosphäre
sprechen können. Dabei konnten wir feststellen, dass es in der Mitte der Positionen einen großen
Konsens gibt, den wir auch in der nächsten Synodalversammlung stärker betonen sollten als die
weiter auseinanderliegenden Positionen. In zwei sich gegenüberstehenden Lagern zu denken,
entspricht nicht der Realität.“ Mit Blick auf das Arbeitspapier aus dem Frauenforum betonte
Bischof Bode: „Wir sollten nicht allein auf die Frage der Weihe schauen, sondern uns nachhaltig
für eine schrittweise größere Beteiligung von Frauen einsetzen — für das Leben und die Arbeit
der Kirche in allen Belangen und für eine neue Kultur des Denkens. Wir hoffen, dass Frauen –
mit Rückendeckung und Ermutigung aus den Gemeinden – viel mehr in Verkündigung und Liturgie
aktiv werden können, zum Beispiel mit eigenen Predigten in den Gottesdiensten. Auch eine
Übernahme von Taufen, Beerdigungen oder Trauungen ist denkbar.“
„Ich hoffe, dass wir schon bald die Gelegenheit haben werden, in Rom über den Synodalen Weg zu sprechen.”
verbindlicheren Formulierungen und nach einer abwägenderen Sprache gegenüber. Deutlich
wurde auch eine Diskrepanz zwischen der Rolle der Frauen an der Basis und in der theologischen
Diskussion, etwa in der Frage, warum das Spenden von Sakramenten in der Regel Geweihten
vorbehalten ist. An allen Orten wurde eine stärkere Geschlechterparität gefordert und auf
Charismen und Fähigkeiten von Frauen hingewiesen, auf die man in der Kirche oft verzichte. Es
gehe dabei auch um das Überdenken des traditionellen Rollenverständnisses und Fragen der
Kommunikation von Geschlechtergerechtigkeit. Man wolle sich auf weltkirchlicher Ebene dafür
einsetzen, dass Laien — Frauen und Männer -, sich an der kommenden Bischofssynode im Vatikan
zum Thema „Synodalität“ beteiligen können, denn Orts- und Weltkirche könnten gut
voneinander lernen.
Instruktion der Kleruskongregation „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der
missionarischen Sendung der Kirche“ ein, die am 20. Juli 2020 veröffentlicht wurde. „Dieses
Dokument hat bereits vielfältige Reaktionen hervorgerufen – von Bischöfen wie Laien. Es ist nun
nicht zu bezweifeln: Die Instruktion betrifft viele Fragestellungen, die wir im Rahmen des
Synodalen Weges intensiv behandeln. Dennoch hat sich das Synodalpräsidium darauf
verständigt, die heutige Tagesordnung nicht zu ändern und sich von dem erschienenen
Dokument nicht abhängig zu machen. Vielmehr wird es notwendig sein, dieses Dokument wie
viele andere Materialien auch in die Überlegungen der Synodalforen einzubeziehen“, so das
Präsidium.
Auf den Regionenkonferenzen unter dem Motto „Fünf Orte – ein Weg“ kamen insgesamt mehr
als 230 Mitglieder der Synodalversammlung sowie Beraterinnen und Berater des Synodalforums
„Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche” und des Synodalforums „Leben in gelingenden
Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft” zusammen. Die zur Debatte
gestellten Texte verstehen sich als erste Arbeitstexte. Vorlagen im Sinne der Satzung und der
Geschäftsordnung wird es erst bei der Synodalversammlung im nächsten Jahr geben.
Quelle: Pressestelle Synodaler Weg / pbp
Bild: © Synodaler Weg/Robert Kiderle