Unerträglich nennt Margret Dieckmann-Nardmann, Präsidentin des Päpstlichen Missionswerkes der Frauen in Deutschland (PMF), die Praxis der weiblichen Beschneidung oder auch Genitalverstümmelung. Zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar (Englisch: „International Day of Zero Tolerance for Female Genital Mutilation“) fordert das international tätige katholische Hilfswerk mehr Einsatz von Politik, Kirche und Gesellschaft für ein weltweites Ende der menschenverachtenden Praktiken, bei denen jungen Mädchen und Frauen die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder ganz entfernt werden. Die Opfer leiden oft ihr Leben lang unter den Folgen, viele sterben bei den Eingriffen, bei denen auch oft die inneren Geschlechtsorgane verletzt werden.

Allein in diesem Jahr, so schätzen die Vereinten Nationen (UN), sind mehr als vier Millionen Mädchen gefährdet, Opfer von weiblicher Beschneidung zu werden. Weltweit sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 200 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. Die UN haben sich zum Ziel gesetzt, dass Genitalverstümmelung bis zum Jahr 2030 weltweit ausgemerzt sein soll.
„Der Weg dahin ist noch weit“, sagt Margret Dieckmann-Nardmann. 2018 hatte das Frauenmissionswerk, das sich für die Rechte von Frauen und Mädchen weltweit einsetzt, eine Petition zur Abschaffung weiblicher Beschneidung persönlich an Papst Franziskus übergeben. „Beim Papst ist unser Anliegen auf offene Ohren getroffen“, sagt die PMF-Präsidentin, „aber es muss sich noch viel mehr tun.“ Sowohl in der deutschen Kirche, als auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene müsse es noch viel mehr Engagement für die Menschenrechte von Frauen und Mädchen geben – vor allem Engagement, das sich gegenseitig verstärke. Darüber hinaus müsse auf breiter Basis mehr Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet werden, so Dieckmann-Nardmann, zumal auch in Kreisen von Migrantinnen die vor allem im afrikanischen und arabischen, aber auch im asiatischen und lateinamerikanischen Raum vorkommende Verstümmelung praktiziert werde. „Vor allem gilt es, das Thema zu enttabuisieren und aus der Ecke von ‚nationalen Traditionen‘ zu holen“, sagt die Theologin.
Es sei erfreulich, dass es in der vergangenen Jahren einige Fortschritte in diesem Bereich gegeben habe, betont Dieckmann-Nardmann. In vielen Ländern sei die junge Generation bereits besser aufgeklärt und weniger bereit, Genitalverstümmelung hinzunehmen oder für die Zukunft zu übernehmen. „Das Problem könnte innerhalb einer Generation verschwinden“, so Dieckmann-Nardmann, „vorausgesetzt, dass wir alle nicht darin nachlassen, uns für die körperliche Unversehrtheit, den Schutz und die Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen einzusetzen.“ Das Frauenmissionswerk werde sich in seinen Projekten und Kampagnen weiter dafür engagieren, dass Mädchen und Frauen, ihre Gesundheit erhalten und ihre Sexualität selbstbestimmt leben könnten.
Text: Frauenmissionswerk