"Ich will erstmal reisen“, das ist die Antwort vieler junger Menschen, auf die Frage, was sie nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium vorhaben. Manche suchen dabei mehr als Erholung und Urlaub, sie wollen statt dessen erfahren, wie Menschen andernorts leben. Was sie bewegt, welche Nöte sie haben oder auch wie Menschen in nicht so privilegierten Regionen der Welt ihr Leben meistern. Und mit weniger, dennoch ein erfülltes Leben führen.
Die Diözese Passau ermöglicht seit vielen Jahren jungen Menschen diese Möglichkeit. Das Referat Weltkirche des Bistums Passau hat in der Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine Möglichkeit gefunden und entsendet die Jugendlichen über das staatliche Programm „weltwärts“. Zwölf junge Frauen und Männer machten sich vor einem halben Jahr auf den Weg nach Bolivien, Paraguay und Peru. Über ihre lebensverändernde Reise haben sie jetzt Zwischenbilanz gezogen. Christine Krammer, Leiterin des Referats Weltkirche und Andreas Paul, Mentor für Lehramtsstudierende, haben die jungen „Weltwärtsler“ besucht. Zusammen haben sie sich auf die 32stündige Reise nach Südamerika gemacht.
„Deutschlandweit kooperieren die Bistümer und viele Orden seit 2008 mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts“, erklärt Christine Krammer, die Verantwortliche für den Freiwilligendienst im Bistum Passau. In unserem Bistum sind es zwölf Jugendliche, die seit einem halben Jahr in Südamerika sind und sich dort in verschiedenen Entwicklungsprojekten der katholischen Kirche engagieren. Damit die Jugendlichen gut vorbereitet in ihren Einsatzstellen ankommen, werden sie bereits in Deutschland in Fortbildungskursen auf den Auslandsaufenthalt vorbereitet und müssen vor Ort zunächst Sprachkurse absolvieren. Und auch ansonsten müssen sich die Jugendlichen auf ein ganz neues Leben einstellen. Die Unterbringung ist sehr einfach, das Essen anders und viel Armut umgibt die jungen Menschen, die sie so noch nicht gesehen haben. Das gemeinsame Arbeiten, das voneinander Lernen und das gemeinsame Gebet bringt so manche Herausforderung mit sich.
Während des Aufenthaltes bleiben die Freiwilligen mit der Verantwortlichen Christine Krammer in Kontakt, damit Fragen und Probleme schnell geklärt werden können. Über die Vorbereitung und Begleitung hinaus gibt es nach einem halben Jahr ein Treffen mit den Freiwilligen zu einem siebentägigen Zwischenseminar. Die Freiwilligen sind dankbar für die Möglichkeit zu hören, wie es den anderen in den Einsatzstellen geht und zusammen mit den Kursleitern zu bedenken und zu verarbeiten, was sie beschäftigt.
Im Franziskanerkloster von Tarata ging es eine Woche lang um die Erlebnisse und Erfahrungen der Freiwilligen. Vier von ihnen sind in Paraguay, arbeiten dort in der Suppenküche der Pfarrei Campo Nueve und sorgen dafür, dass Kinder aus benachteiligten Familien nach der Schule eine warme Mahlzeit bekommen, weiterhin helfen sie in einem Kinderhort den Schülern bei ihren Hausaufgaben. Fünf Freiwillige sind in Peru und unterrichten an den Vormittagen in Schulen der Organisation „Circa“ Englisch, an den Nachmittagen arbeiten sie in den Kinderheimen, die zu den Schulen gehören. Drei Freiwillige sind in der bolivianischen Kleinstadt Camargo, ebenfalls in Kinderheimen im Einsatz und kümmern sich nicht nur um die Hausaufgaben, sondern auch um die Freizeitgestaltung der Kinder.
Eine erste Zwischenbilanz konnten die freiwilligen Helfer vorerst ziehen: „Die Erfahrungen, die wir hier machen, werden uns unser ganzes Leben lang begleiten“.
Neben dem Rückblick auf die Erfahrungen des ersten halben Jahres ging es auch um die Planung von Projekten im zweiten Halbjahr. Die Freiwilligen haben daheim in ihren Familien und bei Freunden fleißig Spenden gesammelt und die Gelegenheit genutzt, im Zwischenseminar ihre Projekte zu planen. Geplant sind beispielsweise Projekte zur Zahngesundheit, bei denen die Kinder in den Heimen sowohl Kurse zur Zahnpflege als auch Zahnarztbesuche machen, ein Basketballplatz, die Sanierung von Duschräumen und Toiletten, Wanderungen und Schwimmbadbesuche oder eine Tombola zur Weiterfinanzierung der Suppenküche.
Mit ihrem Einsatz verbessern die Freiwilligen in kleinen Schritten, die teils sehr schwierigen Lebensbedingungen der Kinder in den Einrichtungen. Für sie selbst ändert sich aber auch etwas, ein Beispiel dafür fasst einer der Teilnehmer so zusammen: „Viele meiner Freunde sehen die Kirche kritisch oder lehnen sie ganz ab, mein Kirchenbild hat sich sehr geändert: Ich erlebe die Kirche als Gemeinschaft, die sich um Kinder, die kaum Chancen haben, konkret und praktisch kümmert, damit sie eine Chance im Leben haben.“
Text: Andreas Paul