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Jugendsynode


 

Bischofssynode in Rom beendet
Positive Bilanz der deutschen Synodenteilnehmer

 

 

Mit einem Gottesdienst im Petersdom ist gestern. 28. Oktober, die XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode in Rom von Papst Franziskus beendet worden. Seit dem 3. Oktober 2018 haben Bischöfe und Jugendvertreter aus der ganzen Welt zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ beraten und dazu gestern das Abschlussdokument veröffentlicht.

Der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster SDB, charakterisierte die zurückliegenden Wochen als Erfahrung einer synodalen Kirche:

„Wir waren als Bischöfe mit den jungen Menschen und den Experten und Expertinnen auf dem Weg. Und am Ende steht ein gemeinsames Ergebnis, der finale Text, der wirklich neu ist im Vergleich zum Arbeitstext am Anfang“, so Bischof Oster. Für ihn sei auch das Wort bedeutsam, dass das Zuhören nicht nur eine pädagogische, sondern eine theologische Bedeutung habe: „Gott hört sein Volk – und wir lernen miteinander Ihn kennen und hören und verstehen untereinander. Das ist es auch, was ich mir im Blick auf unsere Kirche in Deutschland erhoffe: dass wir mehr aufeinander hören und miteinander weitergehen. Alle zusammen und vor allem mit den jungen Menschen – und dass wir dabei miteinander auf den Herrn und sein Wort hören.“ Das schließe, so Bischof Oster, auch das Sprechen über die sogenannten Reizthemen ausdrücklich ein und nicht aus, „denn das gegenseitige Verstehen im Wohlwollen ist ja auch schon eine Form des Weitergehens“.

>>>HIER die gesamte Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz zur Beendigung der Synode

>>>Das Dokument und die Abstimmungsergebnisse sind in italienischer Sprache (eine deutsche Übersetzung wird in nächster Zeit bereitgestellt) auf der Internetseite des Vatikans sowie auf der Themenseite Bischofssynode Jugend 2018 unter www.dbk.de verfügbar. Dort finden Sie ebenfalls die Predigt von Papst Franziskus im Abschlussgottesdienst.

 

 

 

Blick hinter die Kulissen der Jugendsynode:
Bischof Stefan Oster berichtet über die Arbeit in Rom und lässt uns daran teilhaben!
Die letzten Tage:


Gestern während einer Synodenpause: Papst Franziskus hat sich den deutschen Synodenteilnehmern zum Gruppenfoto zur Verfügung gestellt.
Bischof Oster: "Ich bin beeindruckt und dankbar, wie er den synodalen Weg der Kirche geht und prägt - und freue mich auf das Schlussdokument, an dessen Entwurf wir gestern noch intensiv gearbeitet haben".
V.li. Thomas Andonie (BDKJ), Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück), Pater Clemens Blattert SJ, Papa Francesco, Bischof Felix Genn (Münster), Paul Metzlaff (afj) und Bischof Stefan Oster. Es fehlt auf dem Bild: Kardinal Reinhard Marx.

 

Blick hinter die Kulissen der Jugendsynode:
Bischof Stefan Oster berichtet über die Arbeit in Rom und lässt uns daran teilhaben!

Hier ein Überblick über die dritte Woche:

 


Sehr schöne Begegnung und intensives Gespräch zwischen den deutschen Synodenteilnehmern und Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Vorsynode im Frühjahr - mit Gruppenfoto auf der Terasse der Villa Mater Dei.

 

So langsam kommen wir auf die Zielgerade: Was wird nun kommen? Wird es konkrete Ergebnisse geben? Diese Fragen werden nun drängender. Wir haben in der Synodenaula nun zwei Tage lang die Beiträge der Synodenväter und der Beraterinnen und Berater gehört, die den dritten Teil unseres Arbeitstextes betrafen - unter der Überschrift: „Wählen“. Und wieder ist die Vielfalt der Erfahrungen junger Menschen in der Weltkirche zur Sprache gekommen: Situationen der Armut, des Krieges, der Flucht und Migration, des Reichtums, der kulturellen Vielfalt, des Ringens um die Weitergabe des Glaubens und vieles mehr. Und wir fragen miteinander: Was soll all das Gehörte und Besprochene nun bedeuten für die Kirche, für die Bischöfe, wenn sie Ende Oktober wieder nach Hause fahren, für unser „Wählen“? Wird es Folgen haben für die Kirche, für die Ortskirchen? Und immer neu geht es um die Frage der Glaubwürdigkeit. Ist die Kirche, sind die Amtsträger, sind die Gläubigen tatsächlich in der Spur des Evangeliums, in der Nachfolge des Herrn? Haben wir wirklich ein Herz für die Jugend, für die Armen, für alle Menschen, vor allem auch für solche, die den Herrn noch nicht kennen? Wir spüren ein Ringen – es geht letztlich um Erneuerung des Herzens, um Bekehrung – und die lässt sich nicht einfach verordnen. Aber es ist auch zu spüren: Viele Bischöfe haben sich die geteilten Erfahrungen ans Herz gehen lassen. Jeder der aufrichtig und aufmerksam zugehört hat, wird verändert nach Hause fahren. Das Entscheidende geschieht wohl tatsächlich in unserem Inneren!  >>>MEHR dazu im Beitrag auf katholisch.de

 

 

 

Blick hinter die Kulissen der Jugendsynode:
Bischof Stefan Oster berichtet über die Arbeit in Rom und lässt uns daran teilhaben!

Hier ein Überblick über die zweite Woche:

 

 

Wir sind am Ende der zweiten Synodenwoche angelangt - und inzwischen habe ich mich an den Rhythmus einigermaßen gewöhnt. Es ging in dieser Woche zuerst darum, all die „Relationes“ zum ersten Teil des Arbeitstextes vorzutragen und zu hören. Ich konnte den Text der deutschen Gruppe verfassen und am Ende auch in der Aula vortragen. Wir haben intensiv über die Situation der Jugend gesprochen und einige Aspekte betont, die wir im Text nicht oder zu wenig beleuchtet fanden: z.B. die Digitalisierung, die Rolle der Sexualität im Leben der Jugendlichen, den Druck, den viele Jugendliche in ihrem Leben empfinden, und anderes mehr. Der Text war dann einer von 14 Beiträgen aus insgesamt 14 Sprachgruppen. Es ging darin zunächst um die Darstellung der Situation, noch nicht um Lösungen oder ähnliches. Der erste Teil des Arbeitsdokumentes steht dann auch unter der Überschrift „Wahrnehmen“. Hier kann man unsere Relatio nachlesen: https://stefan-oster.de/wp-content/uploads/2018/10/Relatio-I-Circulus-Ge...

Danach, ab Dienstag, hat uns der zweite Teil des Arbeitsdokumentes beschäftigt. Es ging hier um die Frage danach, was eigentlich Berufung ist und was wir unter Begleitung von Jugendlichen verstehen. Daher hat dieser Teil auch schon „wertenden Charakter“. Er steht unter der Überschrift „Interpretieren“. Zunächst ging es wieder in die Synodenaula, also ins Plenum mit über 300 Leuten: Wieder gab es viele „Interventi“, Beiträge der Synodenväter, der jugendlichen Auditoren und einiger Experten von je vier Minuten. Ich selber hatte den Eindruck, es ist oft von Freiheit die Rede, die Jugendliche wünschen oder suchen, aber ohne dass genauer gesagt wäre, was Freiheit eigentlich meint. Ich habe deshalb einen vertiefenden Text darüber verfasst, was Freiheit in der Tiefe ist und wie Freiheit vor allem aus der Beziehung zu anderen und zu Gott heraus verstanden werden kann. Wer den Beitrag nachlesen mag, der findet ihn hier: https://stefan-oster.de/die-freiheit-das-herz-don-boscos-und-das-herz-jesu/.

Die weiteren deutschen Beiträge waren jeweils aus unterschiedlicher Perspektive: Weibischof Johannes Wübbe etwa hat über den diakonischen Aspekt in der Kirche in Deutschland für junge Menschen gesprochen; Bischof Felix Genn hat ein Beispiel seiner Jugendkatechesen erzählt und dann auch über das Problem des „geistlichen Missbrauchs“ gesprochen, das Erwähnung finden müsste (d.h. es gibt nicht nur sexuellen, sondern auch „geistlichen Missbrauch“, der eben nicht in die Freiheit, sondern in die Abhängigkeit führt). Kardinal Reinhard Marx hat unter anderem deutlich gemacht, dass wir in Deutschland schon viel für Frauen in Führungspositionen tun und noch tun wollen. BDKJ-Vorsitzender Thomas Andonie hat in seinem Beitrag u.a. darauf hingewiesen, dass junge Menschen nicht verstehen können, dass Frauen von den Weiheämtern ausgeschlossen sind. Und dass Menschen, die gleichgeschlechtlich empfinden, die Kirche als diskriminierend erfahren. Diese Positionen der verbandlichen Jugend sind uns ja seit langem bekannt und zugleich umstritten, weil sie nicht vom kirchlichen Lehramt gedeckt sind - aber ich halte es dennoch für richtig, dass sie auch Platz hatten in der Synode und gehört werden. Immerhin machen sie die Position von sehr vielen jungen Menschen in der Kirche deutlich.

Seit weiteren zwei Tagen sind wir nun wieder dabei, in den kleineren Sprachgruppen zu diskutieren - es geht für mich wieder darum, eine weitere Relatio zu verfassen - und zwar diesmal eben zu dem großen Themenkomplex der Berufung und der Begleitung. Auch wenn es einige Arbeit bedeutet, die Diskussionen zusammenzufassen, so schätze ich doch das Debattenklima und die Debattenintensität in unserer Gruppe sehr. Den neuen Relatiotext werde ich dann am Dienstag oder Mittwoch auch wieder auf meinen Blog stellen. Gestern war eine schöne Begegnung, die unser BDKJ organisiert hat mit deutschen, österreichischen und schweizer Jugendlichen - bei der auch vier Synodenbischöfe waren.

 

Heute gibt es ein Highlight: Wir gehen gleich zum Gottesdienst auf den Petersplatz, wo Papst Franziskus sieben Menschen heilig sprechen wird. Darunter Papst Paul VI, den Bischof und Märtyrer Oscar Romero aus El Salvador, die deutsche Ordensschwester Maria Katherina Kasper (Gründerin der Dernbacher Schwestern) und den Jugendlichen Nunzio Sulprizio aus dem 19. Jahrhundert, der als 19-Jähriger gestorben ist. Ich freue mich darauf - und bitte weiterhin um Euer Gebet. Jetzt ist erst Halbzeit der Synode.

 

Und hier noch ein Bild, bei dem unsere deutsche Sprachgruppe vollständig vertreten ist: v.li: Jugendbischof Alain de Remy (Schweiz), Bischof Stefan Oster (Jugendbischof Deutschland/Passau), Bischof Tomas Holub (Pilsen), Kardinal Reinhard Marx (München), Bischof Felix Genn (Münster), Pater Clemens Blattert SJ (Experte Berufungspastoral), Kardinal Kurt Koch (Einheitsrat/Vatikan), Kardinal Christoph Schönborn (Wien), Julia Braband (Lutherischer Weltbund, Jugendvertreterin), Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück), Thomas Andonie (Bundesvorsitz BDKJ), Jugendbischof Stephan Turnovszky (Österreich).

 

Bischofssynode in Rom
Wortbeitrag von Bischof Dr. Stefan Oster SDB

 

Auf der Bischofssynode in Rom hat am Mittwoch, 10. Oktober 2018, Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau) zum ersten Teil (Kapitel III, besonders Nrn. 120 ff.) des Instrumentum laboris gesprochen. Wir dokumentieren seinen Redebeitrag vor der Synode:

Heiliger Vater, liebe Schwestern und Brüder,
junge Menschen suchen Freiheit, vor allem die Freiheit von Zwängen und die Freiheit wählen zu können, was ihnen Freude macht. Die Kirche dagegen verbinden viele Jugendliche in unserem Land mit einer Institution, die Freiheit einschränkt und die Verhaltensregeln hat, die beginnen mit „Du musst“, „Du sollst“, „Du darfst nicht“. Trotzdem spüren viele Jugendliche auch, dass eine Freiheit der vielen Möglichkeiten alleine noch nicht zu einem echten und authentischen Leben führt, sondern oft in die Beliebigkeit oder in die Sklaverei der Sucht. Wann aber ist ein Mensch so authentisch, dass man spürt: Diese Person ist wirklich frei – selbst dann, wenn die Lebensbedingungen schwierig sind?

Die Nummer 121 des Instrumentum sagt uns: „Gott nimmt die Freiheit ernst, die er den Menschen geschenkt hat“. Ich möchte dazu einen relationalen Begriff von Freiheit vorschlagen, der die Jugendlichen in ihrer Sehnsucht nach Freiheit ernst nimmt und sie zugleich tiefer in eine existenzielle Dimension von Freiheit führt. Eine erste Bestimmung lautet: „Freiheit ist im Herzen eines anderen ich selbst sein dürfen und ich selbst werden dürfen.“ Der biblische Begriff des Herzens bezeichnet die Mitte der Person. Und wir können diese Mitte auch „räumlich“ denken. Wir sagen, wir haben ein weites Herz und ein tiefes Herz. Und je weiter und tiefer ein menschliches Herz ist, desto mehr kann es einem anderen Menschen in sich Raum geben – einen Raum, in dem sich der andere Mensch bejaht und geliebt fühlen und wachsen kann. Und manche haben ein solches Herz für ganz viele: Die Jugendlichen zum Beispiel, die zu Don Bosco ins Oratorium kamen, die kamen nicht einfach in eine abstrakte Institution mit Regeln, sondern sie kamen an einen Ort, der von der Weite des Herzens Don Boscos erfüllt war. Sie waren bei Don Bosco zu Hause und konnten dort sie selbst sein und lernen, mehr sie selbst zu werden. Don Bosco kannte jeden von ihnen – und hatte ihn im Herzen. Bei ihm waren sie frei. Und sie haben dann auch wie von selbst gelernt, auch seine Regeln zu respektieren und Gemeinschaft zu leben: „Freiheit ist im Herzen eines anderen ich selbst sein und ich selbst werden dürfen.“

Gleichzeitig wissen wir nun, dass wir Menschen alle in der Kapazität unseres eigenen Herzens Grenzen haben. Wir sind selbst oft gebrochen, verwundet, egoistisch. Unser Herz ist oft eng mit wenig Raum für andere. Oder wir benutzen andere für uns und halten sie fest und lassen sie nicht frei – damit sich unser eigenes Herz nicht so leer anfühlt. Junge Menschen spüren das und wünschen sich auch, wie es Nummer 132 sagt, dass sich die Begleiter ihrer eigenen Fehlbarkeit bewusst sein müssen. Auch unser Herz braucht immer neu Heilung und Befreiung.

Christen dürfen aber aus der Erfahrung leben, dass die eigentliche Tiefe unserer Freiheit das Herz Jesu ist. Seine ausgestreckten Arme am Kreuz und sein für uns durchbohrtes Herz sagen uns: „Hier ist der Ort deiner Freiheit, hier ist unendliche, absichtslose Liebe für Dich, hier ist Vergebung aller Sünden. Hier ist das Herz der Welt, hier bist Du wirklich zu Hause.“ Wer im Glauben dorthin findet, der darf von innen her erkennen: Hier kann ich ich selbst sein – und tiefer ich selbst werden. Ohne mich verstellen zu müssen und ohne süchtig zu werden nach oberflächlichem Genuss. Tiefere, existenzielle Freiheit ist also: „Im Herzen Jesu ich selbst sein dürfen und ich selbst werden dürfen“.

Wir leben deshalb Freiheit mit den Jugendlichen und für sie nur dann authentisch, wenn wir selbst im Herzen Jesu zu Hause sind. Und wenn wir selbst unser Herz von seinem Herzen heilen und weiten lassen. Dann können die Jugendlichen durch uns verstehen lernen, wo sie eigentlich zu Hause sind. Und dann auch können wir sie freilassen und freigeben – auf Jesus hin. Und dann müssen wir sie nicht benutzen oder gar missbrauchen für unseren eigenen Ruhm oder unsere eigene Befriedigung. Denn: „Wirkliche Freiheit ist, im Herzen Jesu ich selbst sein und ich selbst werden dürfen“.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

>>>> Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz

Bischof Oster: Kirche fremdelt noch mit digitaler Welt

„Eine sehr vielfältige Synode mit sehr, sehr vielen Eindrücken“: So schildert der deutsche Jugendbischof Stefan Oster das Geschehen im Vatikan. Oster gehört zu den deutschen Teilnehmern an der Bischofssynode zum Thema Jugend, Glauben und Erkenntnis der Berufung.
 

Bischof Dr. Stefan Oster SDB im Interview mit Vatican News. Lesen Sie hier mehr dazu.

Blick hinter die Kulissen der Jugendsynode:
Bischof Stefan Oster berichtet über die Arbeit in Rom und lässt uns daran teilhaben!

Hier ein Überblick über die erste Woche:

Liebe Gläubige im Bistum,

nun ist die Synode ins Rollen gekommen, das heißt: ins Arbeiten. Und davon gibt es nicht wenig!

Wer die Medien verfolgt, der wird wahrgenommen haben, dass wir in der Synodenaula zusammen mit dem Papst über 300 Personen sind: davon rund 270 Bischöfe und Kardinäle und rund 40 junge Menschen, die meist schon bei der Vorsynode im Frühjahr dabei waren. Außerdem gibt es einige „Experten“, Männer und Frauen, die in der Kirche mit Jugendpastoral oder Berufungspastoral beschäftigt sind.

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst auf dem Petersplatz am Mittwoch wurde die Synode feierlich eröffnet. Papst Franziskus hat davon gesprochen, dass er sich wünsche, die Synodenväter mögen in sich die Leidenschaft des Evangeliums und die Fähigkeit zu träumen und zu hoffen in sich wachrufen - denn das ermutige auch die Jugend prophetisch und visionär zu sein. Am Donnerstag und Freitag begannen dann die „Interventi“ in der Synodenaula: Jeder Synodenvater hat das Recht zunächst einen vierminütigen Beitrag zu einem der Teile des Arbeitsdokumentes zu liefern. Im ersten Teil des Arbeitsdokumentes ging es um die Wahrnehmung der Situation der Jugendlichen in Kirche und Welt. Ich war erstaunt und bewegt, wie unterschiedlich die Welt doch ist - und ein erfahrener Synodenvater meinte: Man spürt, wie sehr die Fixierung auf Europa überwunden wird und wie die ganze Welt in den Blick kommt.

Wir haben über die Jugend in Kriegsgebieten genauso gehört wie in Ländern, wo Christen radikale Minderheit sind, wir haben Berichte aus Ländern gehört, in der die Migration ein großes Problem ist, weil die Jugend abwandert, oder von solchen bei dem es um die Integration von jungen Migranten geht, die nicht immer gut gelingt. Wir spüren, wie sehr sich arme und reiche Länder unterscheiden, aber wie sehr es auch kulturelle Verschiedenheit gibt. Wir haben natürlich auch Gemeinsames gehört, Fragen, die alle angehen: Immer wieder wurde das Thema der Sexualität angesprochen und die kirchliche Sexualmoral, die vielen Jugendlichen Schwierigkeiten bereitet, die einige aber auch sehr schätzen. Wir haben gehört, wie die Digitalisierung allerorts thematisiert wird, auch die Schwierigkeiten in der Glaubensvermittlung. Wir spüren die Sehnsucht der Jugend nach Gerechtigkeit für Frauen etwa oder für Minderheiten in den Gesellschaften. Viele Jugendliche sehnen sich auch nach einer attraktiven Liturgie im Blick auf Musik oder die Predigten und vieles mehr. Vielfalt einerseits aber eben auch gemeinsame Probleme und Fragen - das war meine Wahrnehmung in diesen ersten Interventi. Auch Papst Franziskus meldet sich da und dort: Und wir spüren, er ist ein sehr aufmerksamer Zuhörer. Wie er uns überhaupt das Thema „Zuhören“ als wesentlich aufgegeben hat. „Zuhören“ - so hat einer der Synodenväter formuliert - zuhören ist nicht nur eine pädagogische Angelegenheit, es ist vielmehr von theologischer Relevanz. Und auch das Thema des sexuellen Missbrauchs taucht in großer Ehrlichkeit immer wieder auf. Ich bin gespannt, wie es Eingang finden wird in ein Abschlussdokument.

Am Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag waren dann die „Circuli minores“ an der Reihe: kleinere Arbeitsgruppen in den verschiedenen Sprachen mit offenem Austausch über die einzelnen Abschnitte des Arbeitsdokumentes. Wir sind in der deutschsprachigen Gruppe mit folgenden Bischöfen und weiteren Personen zusammen: Thomas Andonie (BDKJ Bundesvorsitz, Jugendvertreter), Pater Clemens Blattert SJ (Experte Berufungspastoral), Weihbischof Alain de Remy (Jugendbischof Schweiz/Lausanne), Bischof Felix Genn (Münster), Bischof Tomas Holub (Pilsen) Kardinal Kurt Koch (Präsident des Einheitsrates/Vatikan), Kardinal Reinahrd Marx (München), Bischof Stefan Oster (Jugendbischof Deutschland/Passau), Kardinal Christoph Schönborn (Wien), Weihbischof Stephan Turnovszky (Jugendbischof Österreich/Wien) und Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück). Der erste Akt der Circuli war die Wahl eines Moderators und eines Relators: Der Moderator hat die Gesprächsleitung, der Relator fasst die Gesprächsergebnisse der Gruppe zusammen und präsentiert sie in der Synodenaula dem Plenum. Bischof Genn aus Münster ist nun der Moderator unseres Circulus und ich selbst wurde zum Relator gewählt (das heißt: viel Arbeit am Text, Mitschreiben, Formulieren, Zusammenfassen, Schwerpunkte setzen, Vortragen).

 

v.li.: Pater Clemens Blattert SJ, Weihbischof Stephan Turnovszky (Jugendbischof Österreich/Wien), Weihbischof Alain de Remy (Jugendbischof Schweiz/Lausanne),
Bischof Stefan Oster (Jugendbischof Deutschland/Passau), Bischof Tomas Holub (Pilsen), Bischof Felix Genn (Münster), Kardinal Christoph Schönborn (Wien),
Kardinal Kurt Koch (Präsident des Einheitsrates/Vatikan), Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück) und Thomas Andonie (BDKJ Bundesvorsitz).

 

Das Klima in unserer Gruppe ist sehr gut, sehr offen. Ich bin dankbar für die geringe Größe - so kann auch ein echter und persönlicher Austausch stattfinden. Überhaupt der Austausch: Weil wir uns der Wichtigkeit des „Zuhörens“ bewusst wurden, haben wir zunächst versucht jedem einzelnen zuzuhören in seinen Erfahrungen mit jungen Menschen, mit Gelingen und Scheitern von pastoralen oder anderen Initiativen. Nicht Weniges davon war wirklich berührend. Wir spüren, so viele Teilnehmer an der Synode haben ein echtes Herz für junge Menschen.

Heute, Sonntag, ist synodenfrei. Wir haben im kleinen Kreis die Hl. Messe gefeiert - und ich sitze an den Texten, damit ich morgen der Gruppe erste Ergebnisse präsentieren kann. Aber jetzt ist erst einmal Erholung. Sonntag eben. Herzliche Segensgrüße aus Rom in unser schönes Bistum sendet Euch Euer Bischof Stefan Oster SDB.

 

„Wir müssen die Sprache der Jugend verstehen lernen…“
Jugendsynode in Rom mit Bischof Oster

 

Bischof Oster heute live aus Rom im ZDF-Mittagsmagazin


Foto: Kopp/Deutsche Bischofskonferenz
>>>HIER der Link zum Interview - zu finden ab 15.14 Minuten

 

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Die Synode beginnt....

Papst Franziskus heute in der Eröffnungsansprache: Es ist eine Übung im Dialog, es ist Einladung zur mutigen, freien Rede, aber auch in der Demut des Zuhörens: Wir müssen vor allem denen genau zuhören, mit denen man sich schwer tut und wir hoffen auf Prophetie und Visionen für und mit jungen Menschen. Der Heilige Geist wirkt in uns die Fähigkeit zur Unterscheidung! Die Synode soll unsere Herzen erwecken!

 


Das sind die deutschen Synodenteilnehmer v.li: Pater Clemens Blattert SJ, Weihbischof Johannes Wübbe, BDKJ Bundesvorsitzender Thomas Andonie, Kardinal Reinhard Marx, Bischof Stefan Oster und Bischof Felix Genn. Foto: Kopp/Deutsche Bischofskonferenz

>>>MEHR zu den deutschen Teilnehmern auf katholisch.de

 

 

 

„Wir müssen die Sprache der Jugend verstehen lernen…“
Jugendsynode in Rom mit Bischof Oster

 

 

Unter dem Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ wird die 15. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode in Rom vom 3. bis 28. Oktober stattfinden. Die katholischen Bischöfe in Deutschland erhoffen sich von der Jugendsynode einen Aufbruch zum Thema Jugend.

Der Passauer Bischof Stefan Oster SDB als Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz wird in dieser Zeit in Rom sein. Mit im Gepäck hat er dicke Ordner mit Aussagen von Jugendlichen aus vielen Schulen aus seinem Bistum - über ihr Leben, ihre Wünsche, ihre Sorgen, ihren Glauben und ihr Verhältnis zur Kirche. In den letzten Wochen hat er sich immer wieder hineingelesen, sich mit vielen Jugendlichen getroffen und mit ihnen gesprochen. (>>>> HIER dazu ein Beispiel: Bischof Stefan Oster zu Besuch bei der Maria Ward Realschule in Neuhaus am Inn).

Wir müssen die Sprache der Jugend verstehen lernen. Hören lernen, was sie meinen, so Bischof Oster. Und vor allem die Sprachfähigkeit gewinnen für die Themen der Jugendlichen. Außerdem wünscht sich der Passauer Jugendbischof, dass die Bischöfe bei der Synode lernen, stärker von den Jugendlichen her zu denken und sensibler zu werden für ihre Nöte und Hoffnungen.

>>>Interview Domradio: Jugendbischof Oster zu Jugend, Kirche, Missbrauch und Synode "Vor allem anderen: Jesus"

 

 

 

Neben Bischof Oster werden der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe, der Münsteraner Bischof Felix Genn, und der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe, ein Mitglied der Jugendkommission, die Bischofskonferenz bei der Jugendsynode in Rom vertreten.

 

Wie wurden Jugendliche einbezogen?
Im Oktober letzten Jahres hat Papst Franziskus junge Leute aus aller Welt zur Beteiligung an den Vorbereitungen der vatikanischen Bischofssynode zum Thema Jugend aufgerufen. Rund 221.000 junge Menschen weltweit haben an einer Online-Umfrage des Vatikan zu ihrem Leben, Einstellungen und Medienverhalten teilgenommen. 100.500 Personen beantworteten die mehrseitige Umfrage zur Vorbereitung einer Bischofssynode zum Thema Jugend vollständig. Gut die Hälfte von ihnen war den Angaben zufolge zwischen 16 und 19 Jahre alt; es nahmen mehr Frauen (58.000) als Männer (42.500) teil.

 

Mehr Informationen unter
https://dbk.de/themen/kirche-und-jugend/bischofssynode-jugend-2018/

 

Papst Franziskus, Gebet für die Jugend:

Herr Jesus Christus, auf dem Weg zur Synode richtet Deine Kirche ihren Blick auf die Jugendlichen in der ganzen Welt. Wir bitten Dich, lass sie mutig ihr Leben in die Hand nehmen, nach den schönsten und sinnvollsten Dingen des Lebens streben und stets ein freies Herz bewahren.

Hilf ihnen, begleitet und geführt von weisen und großherzigen Menschen, dem Ruf, den Du an jeden Einzelnen von ihnen richtest, zu folgen, um ihren Lebensentwurf zu verwirklichen und glücklich zu werden. Halte ihre Herzen offen für große Träume und lass sie auf das Wohl ihrer Brüder und Schwestern achten.

Lass auch sie wie den geliebten Jünger am Fuß des Kreuzes stehen, um Deine Mutter als ein Geschenk von Dir zu empfangen. Lass sie Zeugen Deiner Auferstehung sein und erkennen, dass Du lebst und an ihrer Seite bist, während sie mit Freude verkünden, dass Du der Herr bist. Amen.“

 

 

>>>Monika Wagmann / Bilder Archiv pbp